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    <title>dxciBel</title>
    <link>https://dxcibel.cyou/</link>
    <description>Frauenfußball und Randale.</description>
    <pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:51:24 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>Endlich wieder Magenta</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/endlich-wieder-magenta</link>
      <description>&lt;![CDATA[MagentaSport und DAZN teilen sich aktuell die Live-Rechte für die Frauen-Bundesliga. Doch es gibt für mich einen Anbieter, der klar besser ist.&#xA;&#xA;Das Friendship Ended-Meme: &#34;Friendship ended with DAZN, now MagentaSport is my best friend&#34;&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Seit in der vergangenen Saison die Medienrechte in der Frauen-Bundesliga neu vergeben wurden, gibt es nur nicht nur Rekordeinnahmen für die Klubs, sondern auch für Konsumentinnen gibt es einen Luxus, den man so im Sport nur selten erlebt: Die beiden Streaming-Anbieter MagentaSport und DAZN teilen sich die Live-Rechte, beide Anbieter übertragen alle Spiele in der Frauen-Bundesliga. Zuvor waren die Rechte ausschließlich bei Magenta, DAZN hat jedoch in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, was das Investment in den Frauenfußball und den Frauensport im Allgemeinen angeht. Nicht nur bietet der von Leonard Blavatnik ins Leben gerufene Anbieter die Frauen-Bundesliga in Deutschland an, auch die UWCL und einige Topspiele der anderen Top-Ligen Europas (Serie A Femminile, Liga F, Première Ligue) werden dort übertragen.&#xA;&#xA;Als DAZN also letztes Jahr anfing, die in der Saison 22/23 noch gänzlich frei auf YouTube verfügbaren Spiele in der UWCL nur noch auf der eigenen Plattform anzubieten, wirkte es auf mich zunächst wie ein No-Brainer, den Anbieter zu wechseln. Also schloss ich einen Jahresvertrag für DAZNs billigstes Angebot, das World-Paket für sieben Euro im Monat, ab und sagte MagentaSport zunächst einmal Adieu. Nach diesem einen Jahr habe ich allerdings trotz des mannigfaltigen Angebots der Plattform genug von DAZN und bin zurück zu Magenta gewechselt. Dieser Post soll dazu dienen, meine Entscheidung zu erklären und eventuell auch anderen Fans der Frauen-Bundesliga dazu dienen, eine informierte Entscheidung über den Anbieter zu treffen, den sie wählen, um die Spiele ihres Teams zu verfolgen.&#xA;&#xA;Magenta ist ein solides Angebot&#xA;&#xA;Als ich in der Saison 21/22 anfing, die Frauen-Bundesliga zu verfolgen, waren die Übertragungsrechte noch ausschließlich bei MagentaSport verortet. Der DFB hatte die FBL zusammen mit der 3. Liga an den Anbieter der Telekom verkauft, wo beide Wettbewerbe auch heute noch verortet sind. Für Telekom-Kundinnen ist MagentaSport auch heute noch relativ erschwinglich: Wenn man einen bestehenden Vertrag hat, kostet ein Jahresabo acht Euro im Monat, also einen mehr als DAZN. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen bestehenden Telekom-Vertrag, was die Preise deutlich nach oben schießen lässt. Ein Jahresabo kostet da 13 Euro monatlich, ein Monatsabo gar 20 Euro.&#xA;&#xA;Allerdings kann ein Telekom-Vertrag nicht nur ein Handy- oder Internetanschluss sein, sondern auch ein Abonnement von MagentaTV zählt als ein bestehender Vertrag. In der Kombination mit dem (mittlerweile leider nicht mehr bestehenden) MagentaTV Entertain erhielt ich also ein volles Fernsehangebot – was für einen computerbasierten Haushalt wie meinen durchaus ein Vorteil sein kann – sondern auch ein Abonnement von RTL+ und Disney+ in Kombination mit MagentaSport für damals 20 Euro im Monat. Das MagentaTV-Angebot fand ich sogar so gut, dass ich es weiterlaufen ließ, als ich zu DAZN wechselte. Sowohl Disney+ als auch RTL+ und gelegentlich sogar das Linearfernsehen-Angebot von MagentaTV sind bei mir auch weiterhin in reger Nutzung; Disney wegen der Filme und Serien, die dort angeboten werden (The Bear ist wirklich wahnsinnig gutes Fernsehen!), als auch wegen der Sportrechte an der Europa League und der Europa Conference League, die bei RTL+ liegen. Und sogar Stefan Raabs verunglücktes Comeback könnte ich mir ansehen, wenn ich dabei nicht an Fremdscham sterben würde.&#xA;&#xA;Heute würde ein MagentaTV-Abo mit ähnlichem Umfang etwas mehr kosten und auch das Sportangebot ist teurer geworden. Das billigste Angebot, das immerhin auch RTL+ und Disney+ (wenn auch mit Werbung) beinhaltet, kostet aber immer noch starke 16 Euro im Monat. Dazu die acht für ein MagentaSport-Abo und man kommt bei robusten 24 Euro im Monat für ein Medienpaket raus, das immerhin einige Grundbedürfnisse im modernen Streaming-Zeitalter abdecken sollte. Für den Rest gibt es Alternativen auf hoher See.&#xA;&#xA;Dennoch habe ich MagentaSport ja zunächst den Rücken gekehrt. Auf dem Papier bietet DAZN schließlich für einen geringeren Preis ein deutlich robusteres Angebot an Sportrechten. Lange gehalten hat das allerdings nicht.&#xA;&#xA;DAZN ist kaum erträglich&#xA;&#xA; Denn kaum war ich zu DAZN gewechselt, machten sich einige Unterschiede zwischen den Übertragungen der Frauen-Bundesliga bemerkbar. Die Bilder vom Spiel sind zwar bei beiden Anbietern die gleichen, da diese zentral produziert und dann an Magenta wie auch an DAZN ausgespielt werden. Allerdings merkt man relativ schnell, dass Magenta sich deutlich mehr Mühe gibt, die Spiele auch um das Geschehen auf dem Platz herum unterhaltsam zu machen.&#xA;&#xA;Das fängt bei den Kommentator\innen an: Man merkt gerade Persönlichkeiten wie Martin Piller oder Oskar Heirler an, dass sie den Frauenfußball nicht nur als ihren Job betrachten, sondern auch tatsächlich interessiert an den Entwicklungen sind und auch mal etwas mehr machen, als in ihrer Berufsbeschreibung steht. Selbst ein Michael Seyberth, der bei besonders langweiligen Spielverläufen auch gerne mal die Autobahnverbindung der Gastmannschaft zum Besten gibt, hat einen gewissen Charme und doch zumindest ein spürbares Interesse an der Liga. Das möchte ich keinesfalls allen Kommentatorinnen bei DAZN absprechen, aber es kam doch bei einigen Übertragungen durch, dass die Menschen in der Kommentarbox nur oberflächliches Wissen über den deutschen Frauenfußball haben.&#xA;&#xA;Das in Isolation wäre in meinen Augen noch verschmerzbar gewesen, aber die Lieblosigkeit setzt sich bei DAZN im Drumherum fort. Während Magenta mittlerweile öfter Topspiele vor Ort produziert, Halbzeitanalysen bietet, mit Offiziellen nach dem Spiel diskutiert, sowie Hintergrundbeiträge und Interviewformate liefert macht DAZN... nichts davon. Nach dem Abpfiff wird noch kurz Servus gesagt und dann ist die Übertragung vorbei. Selbst wenn Carmen Höfflin bei Topspielen mal als Co-Kommentatorin eingeladen wird, verbessert das die Situation trotz ihres guten Hintergrundwissens kaum, da sie selten vor Ort ist und entsprechend das Ende der Übertragung ähnlich abrupt ist wie bei normalen Spielen.&#xA;&#xA;Hinzu kommt die unübersichtliche Platzierung des Frauenfußballs auf der DAZN-Homepage. Das UI von MagentaSport gewinnt zwar mit Sicherheit auch keine Preise. Das muss es aber auch nicht, denn ich zahle schließlich nicht für eine gute Navigation, sondern für die exklusiven Sportrechte. Als Abonnentin des World-Pakets bei DAZN wurde mir aber regelmäßig klar gemacht, dass ich eine Kundin zweiter Klasse bin. DAZN ist regelrecht überladen mit verschiedenen Events, die sie mir unterjubeln wollten. Die Männer-Bundesliga, Champions League der Männer und UFC sind die großen Zugpferde der Plattform, und das kriegt man beim Nutzen auch deutlich zu spüren. Das sind  alles Events, für die ich extra zahlen müsste – woran ich aber absolut kein Interesse habe. Hindert DAZN natürlich nicht daran, Fullscreen-Popups zu fahren wenn ich eigentlich nur Frauen-Bundesliga schauen will. Die musste ich dafür regelrecht suchen. Das wurde mir nicht nur durch die großen Popups erschwert, die Homepage ist während meines Abos sogar noch unübersichtlicher geworden. Das Angebot bei Magenta ist zwar überschaubar, aber dafür kriege ich wenigstens eine halbwegs brauchbare Übersicht über die nächsten Übertragungen und kann auch ohne auf größere Probleme zu stoßen zu den Wettbewerben navigieren, die mich interessieren. Das sollte eigentlich kein Argument sein, aber DAZN ist in diesem Aspekt so grottenschlecht, dass es einer Erwähnung bedarf.&#xA;&#xA;Zuletzt gab es noch den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. DAZN war in alter Startup-Manier noch nie profitabel und ist auch in der aktuellen Rechtevergabe-Runde in der Männer-Bundesliga in einer schwierigen Position. Irgendwo muss da also das Geld herkommen, und neben einem Merch-Store, den glaube ich niemand so recht verstanden hat, entschied sich die Plattform zuletzt für die Gelddruck-Maschine schlechthin, nämlich Sportwetten. Während ich also in Ruhe meine Nischensportart schauen wollte, wurde ich mit noch mehr Fullscreen-Popups zugeschissen, die mich motivieren sollten, mein verfügbares Einkommen in Glücksspiel zu verballern. Diese Strategie widerstrebt mir zutiefst und spricht auch von einer gewissen Verzweiflung seitens des Anbieters, doch endlich Profite aus seinem aufgeblasenen Werteportfolio schlagen zu wollen.&#xA;&#xA;Und was ist mit der UWCL?&#xA;&#xA;Die UWCL ist für mich der eine wirklich relevante Wettbewerb, der exklusiv auf DAZN zu sehen ist. Doch auch hier gibt es gute Nachrichten für neutrale Zuschauer*innen: Der Versuch von DAZN, die Spiele der UWCL ab der Saison 22/23 hinter eine Paywall zu packen, scheiterte kläglich. So sieht man mittlerweile doch wieder einige Spiele der Gruppenphase auf YouTube – die plattformexklusiven sind auch wieder ohne Abonnement zu sehen (danke an Pia im DieLigaLebt-Discord für die Bestätigung). Dementsprechend ist die UWCL, zumindest für den Moment, auch wieder komplett frei verfügbar.&#xA;&#xA;Die finale Entscheidung&#xA;&#xA;Für mich ist es nach der kürzlichen Entwicklung von DAZN und die Qualität, die MagentaSport in seinen Übetragungen anbietet, eine relativ klare Entscheidung gewesen: Das Experiment DAZN ist für mich zunächst gescheitert. Fairerweise muss man hier erwähnen, dass MagentaSport bereits länger die Spiele der Frauen-Bundesliga überträgt und entsprechend auch mehr Zeit hatte, ein attraktives Rundum-Paket aufzubauen. Ich würde DAZN also nicht pauschal Versagen diagnostizieren wollen, denn in ein paar Jahren kann die Situation sich gänzlich anders gestalten. Mit der aktuellen Entwicklung der Plattform kann es dann allerdings auch ein noch eindeutigerer Sieg für MagentaSport sein. Für den Moment möchte ich allerdings festhalten: Wer in Deutschland die Frauen-Bundesliga schauen möchte und mit den Zusatzangeboten der Telekom etwas anfangen kann oder bereits einen bestehenden Vertrag hat, ist mit MagentaSport meiner Meinung nach deutlich besser beraten.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="magentasport-und-dazn-teilen-sich-aktuell-die-live-rechte-für-die-frauen-bundesliga-doch-es-gibt-für-mich-einen-anbieter-der-klar-besser-ist" id="magentasport-und-dazn-teilen-sich-aktuell-die-live-rechte-für-die-frauen-bundesliga-doch-es-gibt-für-mich-einen-anbieter-der-klar-besser-ist">MagentaSport und DAZN teilen sich aktuell die Live-Rechte für die Frauen-Bundesliga. Doch es gibt für mich einen Anbieter, der klar besser ist.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/friendshipended.png" alt="Das Friendship Ended-Meme: &#34;Friendship ended with DAZN, now MagentaSport is my best friend&#34;"></p>



<p>Seit in der vergangenen Saison die Medienrechte in der Frauen-Bundesliga neu vergeben wurden, gibt es nur nicht nur Rekordeinnahmen für die Klubs, sondern auch für Konsument*innen gibt es einen Luxus, den man so im Sport nur selten erlebt: Die beiden Streaming-Anbieter MagentaSport und DAZN teilen sich die Live-Rechte, beide Anbieter übertragen alle Spiele in der Frauen-Bundesliga. Zuvor waren die Rechte ausschließlich bei Magenta, DAZN hat jedoch in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, was das Investment in den Frauenfußball und den Frauensport im Allgemeinen angeht. Nicht nur bietet der von Leonard Blavatnik ins Leben gerufene Anbieter die Frauen-Bundesliga in Deutschland an, auch die UWCL und einige Topspiele der anderen Top-Ligen Europas (Serie A Femminile, Liga F, Première Ligue) werden dort übertragen.</p>

<p>Als DAZN also letztes Jahr anfing, die in der Saison 22/23 noch gänzlich frei auf YouTube verfügbaren Spiele in der UWCL nur noch auf der eigenen Plattform anzubieten, wirkte es auf mich zunächst wie ein No-Brainer, den Anbieter zu wechseln. Also schloss ich einen Jahresvertrag für DAZNs billigstes Angebot, das World-Paket für sieben Euro im Monat, ab und sagte MagentaSport zunächst einmal Adieu. Nach diesem einen Jahr habe ich allerdings trotz des mannigfaltigen Angebots der Plattform genug von DAZN und bin zurück zu Magenta gewechselt. Dieser Post soll dazu dienen, meine Entscheidung zu erklären und eventuell auch anderen Fans der Frauen-Bundesliga dazu dienen, eine informierte Entscheidung über den Anbieter zu treffen, den sie wählen, um die Spiele ihres Teams zu verfolgen.</p>

<h2 id="magenta-ist-ein-solides-angebot" id="magenta-ist-ein-solides-angebot">Magenta ist ein solides Angebot</h2>

<p>Als ich in der Saison 21/22 anfing, die Frauen-Bundesliga zu verfolgen, waren die Übertragungsrechte noch ausschließlich bei MagentaSport verortet. Der DFB hatte die FBL zusammen mit der 3. Liga an den Anbieter der Telekom verkauft, wo beide Wettbewerbe auch heute noch verortet sind. Für Telekom-Kund*innen ist MagentaSport auch heute noch relativ erschwinglich: Wenn man einen bestehenden Vertrag hat, kostet ein Jahresabo acht Euro im Monat, also einen mehr als DAZN. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen bestehenden Telekom-Vertrag, was die Preise deutlich nach oben schießen lässt. Ein Jahresabo kostet da 13 Euro monatlich, ein Monatsabo gar 20 Euro.</p>

<p>Allerdings kann ein Telekom-Vertrag nicht nur ein Handy- oder Internetanschluss sein, sondern auch ein Abonnement von MagentaTV zählt als ein bestehender Vertrag. In der Kombination mit dem (mittlerweile leider nicht mehr bestehenden) MagentaTV Entertain erhielt ich also ein volles Fernsehangebot – was für einen computerbasierten Haushalt wie meinen durchaus ein Vorteil sein kann – sondern auch ein Abonnement von RTL+ und Disney+ in Kombination mit MagentaSport für damals 20 Euro im Monat. Das MagentaTV-Angebot fand ich sogar so gut, dass ich es weiterlaufen ließ, als ich zu DAZN wechselte. Sowohl Disney+ als auch RTL+ und gelegentlich sogar das Linearfernsehen-Angebot von MagentaTV sind bei mir auch weiterhin in reger Nutzung; Disney wegen der Filme und Serien, die dort angeboten werden (The Bear ist wirklich wahnsinnig gutes Fernsehen!), als auch wegen der Sportrechte an der Europa League und der Europa Conference League, die bei RTL+ liegen. Und sogar Stefan Raabs verunglücktes Comeback könnte ich mir ansehen, wenn ich dabei nicht an Fremdscham sterben würde.</p>

<p>Heute würde ein <a href="https://www.telekom.de/magenta-tv/tarife-und-optionen/magenta-tv-mit-app">MagentaTV-Abo</a> mit ähnlichem Umfang etwas mehr kosten und auch das Sportangebot ist teurer geworden. Das billigste Angebot, das immerhin auch RTL+ und Disney+ (wenn auch mit Werbung) beinhaltet, kostet aber immer noch starke 16 Euro im Monat. Dazu die acht für ein MagentaSport-Abo und man kommt bei robusten 24 Euro im Monat für ein Medienpaket raus, das immerhin einige Grundbedürfnisse im modernen Streaming-Zeitalter abdecken sollte. Für den Rest gibt es Alternativen auf hoher See.</p>

<p>Dennoch habe ich MagentaSport ja zunächst den Rücken gekehrt. Auf dem Papier bietet DAZN schließlich für einen geringeren Preis ein deutlich robusteres Angebot an Sportrechten. Lange gehalten hat das allerdings nicht.</p>

<h2 id="dazn-ist-kaum-erträglich" id="dazn-ist-kaum-erträglich">DAZN ist kaum erträglich</h2>

<p> Denn kaum war ich zu DAZN gewechselt, machten sich einige Unterschiede zwischen den Übertragungen der Frauen-Bundesliga bemerkbar. Die Bilder vom Spiel sind zwar bei beiden Anbietern die gleichen, da diese zentral produziert und dann an Magenta wie auch an DAZN ausgespielt werden. Allerdings merkt man relativ schnell, dass Magenta sich deutlich mehr Mühe gibt, die Spiele auch um das Geschehen auf dem Platz herum unterhaltsam zu machen.</p>

<p>Das fängt bei den Kommentator*innen an: Man merkt gerade Persönlichkeiten wie Martin Piller oder Oskar Heirler an, dass sie den Frauenfußball nicht nur als ihren Job betrachten, sondern auch tatsächlich interessiert an den Entwicklungen sind und auch mal etwas mehr machen, als in ihrer Berufsbeschreibung steht. Selbst ein Michael Seyberth, der bei besonders langweiligen Spielverläufen auch gerne mal die Autobahnverbindung der Gastmannschaft zum Besten gibt, hat einen gewissen Charme und doch zumindest ein spürbares Interesse an der Liga. Das möchte ich keinesfalls allen Kommentator*innen bei DAZN absprechen, aber es kam doch bei einigen Übertragungen durch, dass die Menschen in der Kommentarbox nur oberflächliches Wissen über den deutschen Frauenfußball haben.</p>

<p>Das in Isolation wäre in meinen Augen noch verschmerzbar gewesen, aber die Lieblosigkeit setzt sich bei DAZN im Drumherum fort. Während Magenta mittlerweile öfter Topspiele vor Ort produziert, Halbzeitanalysen bietet, mit Offiziellen nach dem Spiel diskutiert, sowie Hintergrundbeiträge und Interviewformate liefert macht DAZN... nichts davon. Nach dem Abpfiff wird noch kurz Servus gesagt und dann ist die Übertragung vorbei. Selbst wenn Carmen Höfflin bei Topspielen mal als Co-Kommentatorin eingeladen wird, verbessert das die Situation trotz ihres guten Hintergrundwissens kaum, da sie selten vor Ort ist und entsprechend das Ende der Übertragung ähnlich abrupt ist wie bei normalen Spielen.</p>

<p>Hinzu kommt die unübersichtliche Platzierung des Frauenfußballs auf der DAZN-Homepage. Das UI von MagentaSport gewinnt zwar mit Sicherheit auch keine Preise. Das muss es aber auch nicht, denn ich zahle schließlich nicht für eine gute Navigation, sondern für die exklusiven Sportrechte. Als Abonnentin des World-Pakets bei DAZN wurde mir aber regelmäßig klar gemacht, dass ich eine Kundin zweiter Klasse bin. DAZN ist regelrecht überladen mit verschiedenen Events, die sie mir unterjubeln wollten. Die Männer-Bundesliga, Champions League der Männer und UFC sind die großen Zugpferde der Plattform, und das kriegt man beim Nutzen auch deutlich zu spüren. Das sind  alles Events, für die ich extra zahlen müsste – woran ich aber absolut kein Interesse habe. Hindert DAZN natürlich nicht daran, Fullscreen-Popups zu fahren wenn ich eigentlich nur Frauen-Bundesliga schauen will. Die musste ich dafür regelrecht suchen. Das wurde mir nicht nur durch die großen Popups erschwert, die Homepage ist während meines Abos sogar noch unübersichtlicher geworden. Das Angebot bei Magenta ist zwar überschaubar, aber dafür kriege ich wenigstens eine halbwegs brauchbare Übersicht über die nächsten Übertragungen und kann auch ohne auf größere Probleme zu stoßen zu den Wettbewerben navigieren, die mich interessieren. Das sollte eigentlich kein Argument sein, aber DAZN ist in diesem Aspekt so grottenschlecht, dass es einer Erwähnung bedarf.</p>

<p>Zuletzt gab es noch den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. DAZN war in alter Startup-Manier <a href="https://spobis.com/article/warum-dazn-kein-reiner-streaming-dienst-mehr-sein-will">noch nie profitabel</a> und ist auch in der aktuellen <a href="https://www.dwdl.de/nachrichten/100517/bundesligarechtevergabe_neustart_unterm_damoklesschwert_/">Rechtevergabe-Runde in der Männer-Bundesliga</a> in einer schwierigen Position. Irgendwo muss da also das Geld herkommen, und neben einem Merch-Store, den glaube ich niemand so recht verstanden hat, entschied sich die Plattform zuletzt für die Gelddruck-Maschine schlechthin, nämlich Sportwetten. Während ich also in Ruhe meine Nischensportart schauen wollte, wurde ich mit <em>noch mehr Fullscreen-Popups</em> zugeschissen, die mich motivieren sollten, mein verfügbares Einkommen in Glücksspiel zu verballern. Diese Strategie widerstrebt mir zutiefst und spricht auch von einer gewissen Verzweiflung seitens des Anbieters, doch endlich Profite aus seinem aufgeblasenen Werteportfolio schlagen zu wollen.</p>

<h2 id="und-was-ist-mit-der-uwcl" id="und-was-ist-mit-der-uwcl">Und was ist mit der UWCL?</h2>

<p>Die UWCL ist für mich der eine wirklich relevante Wettbewerb, der exklusiv auf DAZN zu sehen ist. Doch auch hier gibt es gute Nachrichten für neutrale Zuschauer*innen: Der Versuch von DAZN, die Spiele der UWCL ab der Saison 22/23 hinter eine Paywall zu packen, scheiterte kläglich. So sieht man mittlerweile doch wieder einige Spiele der Gruppenphase auf YouTube – die plattformexklusiven sind auch wieder ohne Abonnement zu sehen (danke an Pia im DieLigaLebt-Discord für die Bestätigung). Dementsprechend ist die UWCL, zumindest für den Moment, auch wieder komplett frei verfügbar.</p>

<h2 id="die-finale-entscheidung" id="die-finale-entscheidung">Die finale Entscheidung</h2>

<p>Für mich ist es nach der kürzlichen Entwicklung von DAZN und die Qualität, die MagentaSport in seinen Übetragungen anbietet, eine relativ klare Entscheidung gewesen: Das Experiment DAZN ist für mich zunächst gescheitert. Fairerweise muss man hier erwähnen, dass MagentaSport bereits länger die Spiele der Frauen-Bundesliga überträgt und entsprechend auch mehr Zeit hatte, ein attraktives Rundum-Paket aufzubauen. Ich würde DAZN also nicht pauschal Versagen diagnostizieren wollen, denn in ein paar Jahren kann die Situation sich gänzlich anders gestalten. Mit der aktuellen Entwicklung der Plattform kann es dann allerdings auch ein noch eindeutigerer Sieg für MagentaSport sein. Für den Moment möchte ich allerdings festhalten: Wer in Deutschland die Frauen-Bundesliga schauen möchte und mit den Zusatzangeboten der Telekom etwas anfangen kann oder bereits einen bestehenden Vertrag hat, ist mit MagentaSport meiner Meinung nach deutlich besser beraten.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/endlich-wieder-magenta</guid>
      <pubDate>Thu, 28 Nov 2024 17:15:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Politiker*innen sind keine normalen Menschen</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/politiker-innen-sind-keine-normalen-menschen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel hat sein wöchentliches Arbeitspensum auf Threads gepostet. Ich finde, das macht sehr deutlich, warum Politikerinnen manchmal so realitätsfremd wirken.&#xA;&#xA;Matthias Gastel und ein Exploding-Head Emoji vor dem Hintergrund der von ihm geposteten Übersicht einer Sitzungswoche im Bundestag.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die kurze Antwort für den Aufmacher: Weil sie es nämlich auch sind.&#xA;&#xA;Ich muss zugeben, ich kannte Matthias Gastel vor diesem Post nicht. Denn während es einem auf anderen Plattformen manchmal so vorkommt, als wären die Accounts, denen man folgt, bestenfalls eine Empfehlung an den Algorithmus, ist das auf Threads wirklich so. Anderes Thema, aber so habe ich zumindest diesen Post gefunden, den ich wirklich äußerst spannend fand.&#xA;&#xA;Gastel ist seit 2013 Bundestagsabgeordneter für die Grünen, sein Schwerpunkt ist Verkehrspolitik. Außerdem sitzt er im Tourismusausschuss des Bundestages und engagierte sich als gebürtiger Stuttgarter seinerzeit auch gegen Stuttgart 21. Laut Abgeordnetenwatch wird er außerdem gelegentlich für eine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied der DB InfraGo AG entlohnt. Inwieweit das einen Einfluss auf seine politischen Tätigkeiten hat, kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen und das ist hier, ebenso wie weitere Einzelheiten über seine Person, auch nur wenig relevant.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Viel mehr geht es um einen Post, den er heute (wohlgemerkt an einem Sonntag) auf Threads veröffentlicht hat. In diesem hat ein Praktikant für ihn eine Grafik erstellt, die einen vermeintlich typischen Wochenablauf für ihn und seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter und Mitglied in mehreren Ausschüssen zeigt. Ich finde diesen Post überaus einsichtsreich, denn er zeigt bildlich auf, wie stark die politische Arbeit das Leben von Politikerinnen einnimmt.&#xA;&#xA;Wenn wir diesen Beitrag für bare Münze nehmen, ergibt sich daraus nämlich aus Arbeitnehmer\innen-Sicht ein erschreckendes Bild. Die Tabelle beginnt um sechs Uhr morgens, wobei man hier davon ausgehen kann, dass es sich um die Morgenroutine handelt: Aufstehen, Kaffee trinken, Nachrichten lesen, ein paar Mails lesen. Soweit dürften das die meisten Arbeitnehmer\innen (zumindest diejenigen, die E-Mail-Jobs haben) kennen. Zwischen 7:00 Uhr und 9:30 Uhr geht dann der richtige Arbeitstag los, mit diversen Gesprächen, hauptsächlich zum Thema Verkehrspolitik. Alles spannende Arbeit und mit Sicherheit auch zu einem gewissen Grad erfüllend, wenn man kurz vergisst, was für eine Nase aktuell das Verkehrsministerium führt und was für retrofuturistische und gleichzeitig verschwenderische Sci-Fi-Projekte dort teilweise angegangen werden.&#xA;&#xA;Erste Risse tun sich aber schon dann auf, wenn man in der Tabelle etwas weiter nach unten schaut: Der Montag endet mit einem Reformer\innentreffen, das bis 21 Uhr geht. anschließend noch etwas »Büroarbeit« bis 22 Uhr, die hier als &#34;Mails abarbeiten, Dokumente lesen, teils im Homeoffice&#34; beschrieben wird. Der Begriff Homeoffice ist hier wahrscheinlich als ein netter Euphemismus für &#34;Arbeiten bis zum Einschlafen&#34; zu sehen. Gehen wir davon aus, dass der Arbeitstag tatsächlich mit dem ersten Programmpunkt um 9:30 startet und wenn wir die abendliche Arbeit im Homeoffice nicht als Arbeitszeit zählen, haben wir abzüglich der einstündigen Mittagspause hier einen 10-Stunden-Tag vor uns. Zur Erinnerung für diejenigen, die nicht ganz fit mit Gesetzen sind hier ein kurzer Auszug aus § 3 des Arbeitszeitgesetzes:&#xA;&#xA;  Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.&#xA;&#xA;In Ausnahmefällen wäre so ein Tag also erlaubt. Mit einem Blick auf den Rest der Tabelle ist dieser Tag allerdings noch einer der entspannteren; er startet am spätesten und enthält tatsächlich eine Mittagspause. Die findet sich in der siebentägigen Übersicht sonst nur noch donnerstags. Auch das ein Verstoß gegen das ArbZG, welches nach § 4 eine Ruhepause von mindestens 45 Minuten bei über neun Stunden Arbeit vorsieht. Von Dienstag auf Mittwoch wird außerdem gegen § 5 verstoßen, welche eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsschichten vorschreibt. Zwischen der Veranstaltung der Allianz Pro Schiene bis 21 Uhr und dem Gespräch im Bundesverkehrsministerium um 7 Uhr am nächsten Tag liegen aber gerade mal zehn Stunden.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Mir geht es mit diesem Beitrag allerdings nicht darum, eine Anklage für das MdB Matthias Gastel fertigzumachen, sondern viel mehr darum aufzuzeigen, dass ein solches Pensum massiv überzogen ist und was es für Auswirkungen auf die Politiker\innen als Menschen hat, die ja immerhin gewählte Vertreter\innen des Volkes sind und entsprechend auch zu ihrem Aufgabenfeld gehört, dessen Interessen zu vertreten und dabei auch die Perspektive der von ihnen repräsentierten Menschen einnehmen zu können. Das fällt natürlich schwer, wenn einem dabei abverlangt wird, so viel mehr zu leisten als die meisten Arbeitnehmer\innen, als die meisten anderen Menschen. Denn auch wenn Bundespolitik erstmal keine harte körperliche Arbeit ist, ist ein solches Pensum immens anstrengend und entfremdet einen schnell von allem, was nicht zum direkten Arbeitsumfeld gehört.&#xA;&#xA;Auf einem privaten Level erklärt das zumindest schon mal den etwas befremdlichen Post, den Ricarda Lang zum Rücktritt von Kevin Kühnert von seinen Parteipositionen auf Twitter (und auch auf Threads) absetzte. Die Formulierung lässt beinahe vermuten, er sei gestorben. &#xA;&#xA;  Puh. Kevin Kühnert ist einer der klügsten und schlagfertigsten Politiker, die ich kennen lernen durfte. Und er zeigt gerade auch in dieser Situation, dass es ihm um die Sache geht und nicht um sich selbst. Er wird fehlen, als Politiker - und mir persönlich auch als Freund ❤️&#xA;    – Ricarda Lang (@RicardaLang), 7. Oktober 2024&#xA;&#xA;Für jemanden, der derart stark in die Politik eingebunden ist, muss es auch tatsächlich so wirken. Denn ein privater Kontakt, vielleicht sogar mal ein Feierabendbier oder ähnliche Sperenzchen werden durch so einen straffen Terminplan vollkommen unmöglich gemacht. Wir erwarten also von unseren Politikerinnen, dass sie uns als Menschen repräsentieren während sie gleichzeitig eine unmenschliche Menge an Arbeit leisten sollen. Dabei wäre der private Kontakt zu &#34;normalen&#34; Menschen für Politiker\innen umso wichtiger, um auch mal eine etwas differenziertere Sichtweise auf ihre Arbeit zu erhalten als das Feedback, das sie auf Veranstaltungen, online und über ihr Abgeordnetenbüro in ihrer Rolle als Abgeordnete erhalten.&#xA;&#xA;Ein beliebtes Genre besonders realitätsfremder Online-Posts von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens lässt sich dadurch auch erklären: Die Taxifahrer-Konversationen. Gerade rechte Arschlöcher wie Julian Reichelt und Ulf Poschardt, aber auch einige Politiker\innen, breit über das politische Spektrum gestreut, lassen sich regelmäßig dazu hinreißen, online über für sie spannende Konversationen mit Taxifahrer\innen zu philosophieren. Was denn auch sonst? Es gibt ja außerhalb von Taxifahrten eigentlich keinen Zeitpunkt in ihrem Alltag, in dem sie nicht ausschließlich in ihrer Rolle als öffentliche Persönlichkeiten auftreten.&#xA;&#xA;Auf einem beruflichen und politischen Level kann dieser enge Dienstplan allerdings auch Sorgenfalten bereiten. Denn es mag zwar einige Abgeordnete geben, die ihren Dienst nicht ganz so ernst nehmen (ich meine damit speziell auch Markus Söder), aber am Ende sind doch genau diese Menschen auch dafür verantwortlich, Arbeitspolitik für die Menschen zu machen, für die sie verantwortlich sind. Wer also nun regelmäßig einen 10-Stunden-Tag (oder mehr) hat und seine Wochenenden mit Arbeitsreisen verbringt, der verliert dabei auch leicht die Perspektive für jene, die eine 40-Stunden-Woche als Vollbeschäftigung ansehen – und kommt entsprechend eher auf die weltfremde Idee, Arbeitnehmer\innen zu mehr Überstunden motivieren zu wollen. Schließlich ist das für jemanden, der ausschließlich für seine Arbeit lebt, deutlich realitätsnäher als der Wunsch vieler insbesondere jüngerer Arbeitnehmer\innen nach 4-Tage-Wochen mit 30 Arbeitsstunden. Nicht wahr, Herr Lindner?&#xA;&#xA;Auch komplett menschenfeindliche Ausfälle wie die des Arbeitsministers Hubertus Heil, der mittlerweile in leider gewohnter Regelmäßigkeit gegen Bürgergeldempfänger\innen schimpft werden dadurch nochmal etwas rekontextualisiert. Schließlich arbeitet man als Abgeordnete\r gute 60-80 Stunden pro Woche, sieben Tage die Woche. Warum kriegen das die faulen Dummköpfe ohne Arbeit nicht auch hin? Die Lebensrealität irgendwelcher Vorstände und Management-Anzüge ist für Bundestagsabgeordnete so greifbarer als die normaler Menschen.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;All das ist keine erschöpfende Erklärung für die menschenfeindliche Politik der Ampel gegenüber armen Menschen. Es ist auch keine Entschuldigung für die Änderung des Kurses innerhalb der Bundesregierung hin zu einer konservativen bis protofaschistischen Politik. Dafür gibt es andere Triebfaktoren. Ich fand diesen kleinen Einblick allerdings überaus spannend, weil er exemplarisch aufzeigt, dass gerade diejenigen, die sich in der Regierung um gute Politik bemühen einem Arbeitspensum ausgesetzt sind, dass sie von einer menschlichen Erfahrung extrem entfremdet. Die Erfahrung normaler Menschen in einem normalen Arbeitsverhältnis ist für sie so genauso fremd, wie die Politik in Berlin und in den Landtagen oftmals für Bürger\innen erscheint.&#xA;&#xA;Das soll auch kein Angriff auf Matthias Gastel sein, der sicherlich mit Leidenschaft bei der Sache ist. Der Fehler liegt hier nicht bei ihm oder seinem Büro, die lediglich das machen, was ihnen vom politischen Betrieb abverlangt wird. Es zeigt allerdings ein fundamentales Problem an der Politik auf, das in dieser Form wohl ewig zu einem Riss zwischen Politiker\innen und der Bevölkerung führen wird – denn wenn wir Politiker\*innen nicht zugestehen, außerhalb ihres Berufs auch Menschen zu sein, dann können sie auch keine Politik für Menschen machen.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="grünen-bundestagsabgeordneter-matthias-gastel-hat-sein-wöchentliches-arbeitspensum-auf-threads-gepostet-ich-finde-das-macht-sehr-deutlich-warum-politiker-innen-manchmal-so-realitätsfremd-wirken" id="grünen-bundestagsabgeordneter-matthias-gastel-hat-sein-wöchentliches-arbeitspensum-auf-threads-gepostet-ich-finde-das-macht-sehr-deutlich-warum-politiker-innen-manchmal-so-realitätsfremd-wirken">Grünen-Bundestagsabgeordneter Matthias Gastel hat sein wöchentliches Arbeitspensum auf Threads gepostet. Ich finde, das macht sehr deutlich, warum Politiker*innen manchmal so realitätsfremd wirken.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/gastelblog.jpg" alt="Matthias Gastel und ein Exploding-Head Emoji vor dem Hintergrund der von ihm geposteten Übersicht einer Sitzungswoche im Bundestag."></p>



<p>Die kurze Antwort für den Aufmacher: Weil sie es nämlich auch sind.</p>

<p>Ich muss zugeben, ich kannte Matthias Gastel vor diesem Post nicht. Denn während es einem auf anderen Plattformen manchmal so vorkommt, als wären die Accounts, denen man folgt, bestenfalls eine Empfehlung an den Algorithmus, ist das auf Threads wirklich so. Anderes Thema, aber so habe ich zumindest diesen Post gefunden, den ich wirklich äußerst spannend fand.</p>

<p>Gastel ist seit 2013 Bundestagsabgeordneter für die Grünen, sein Schwerpunkt ist Verkehrspolitik. Außerdem sitzt er im Tourismusausschuss des Bundestages und engagierte sich als gebürtiger Stuttgarter seinerzeit auch gegen Stuttgart 21. <a href="https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/matthias-gastel/nebentaetigkeiten">Laut Abgeordnetenwatch</a> wird er außerdem gelegentlich für eine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied der DB InfraGo AG entlohnt. Inwieweit das einen Einfluss auf seine politischen Tätigkeiten hat, kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen und das ist hier, ebenso wie weitere Einzelheiten über seine Person, auch nur wenig relevant.</p>

<hr>

<p>Viel mehr geht es um einen <a href="https://www.threads.net/@gastelmatthias/post/DBDlNwRtMDG">Post, den er heute (wohlgemerkt an einem Sonntag) auf Threads veröffentlicht hat</a>. In diesem hat ein Praktikant für ihn eine Grafik erstellt, die einen vermeintlich typischen Wochenablauf für ihn und seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter und Mitglied in mehreren Ausschüssen zeigt. Ich finde diesen Post überaus einsichtsreich, denn er zeigt bildlich auf, wie stark die politische Arbeit das Leben von Politiker*innen einnimmt.</p>

<p>Wenn wir diesen Beitrag für bare Münze nehmen, ergibt sich daraus nämlich aus Arbeitnehmer*innen-Sicht ein erschreckendes Bild. Die Tabelle beginnt um sechs Uhr morgens, wobei man hier davon ausgehen kann, dass es sich um die Morgenroutine handelt: Aufstehen, Kaffee trinken, Nachrichten lesen, ein paar Mails lesen. Soweit dürften das die meisten Arbeitnehmer*innen (zumindest diejenigen, die E-Mail-Jobs haben) kennen. Zwischen 7:00 Uhr und 9:30 Uhr geht dann der richtige Arbeitstag los, mit diversen Gesprächen, hauptsächlich zum Thema Verkehrspolitik. Alles spannende Arbeit und mit Sicherheit auch zu einem gewissen Grad erfüllend, wenn man kurz vergisst, was für eine Nase aktuell das Verkehrsministerium führt und was für <a href="https://www.fr.de/politik/staatsgeld-fuer-flugtaxis-fuer-reiche-93351076.html">retrofuturistische und gleichzeitig verschwenderische Sci-Fi-Projekte</a> dort teilweise angegangen werden.</p>

<p>Erste Risse tun sich aber schon dann auf, wenn man in der Tabelle etwas weiter nach unten schaut: Der Montag endet mit einem Reformer*innentreffen, das bis 21 Uhr geht. anschließend noch etwas »Büroarbeit« bis 22 Uhr, die hier als “Mails abarbeiten, Dokumente lesen, teils im Homeoffice” beschrieben wird. Der Begriff <em>Homeoffice</em> ist hier wahrscheinlich als ein netter Euphemismus für “Arbeiten bis zum Einschlafen” zu sehen. Gehen wir davon aus, dass der Arbeitstag tatsächlich mit dem ersten Programmpunkt um 9:30 startet und wenn wir die abendliche Arbeit im Homeoffice nicht als Arbeitszeit zählen, haben wir abzüglich der einstündigen Mittagspause hier einen 10-Stunden-Tag vor uns. Zur Erinnerung für diejenigen, die nicht ganz fit mit Gesetzen sind hier ein kurzer Auszug aus <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/BJNR117100994.html">§ 3 des Arbeitszeitgesetzes</a>:</p>

<blockquote><p>Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.</p></blockquote>

<p>In Ausnahmefällen wäre so ein Tag also erlaubt. Mit einem Blick auf den Rest der Tabelle ist dieser Tag allerdings noch einer der entspannteren; er startet am spätesten und enthält tatsächlich eine Mittagspause. Die findet sich in der siebentägigen Übersicht sonst nur noch donnerstags. Auch das ein Verstoß gegen das ArbZG, welches nach § 4 eine Ruhepause von mindestens 45 Minuten bei über neun Stunden Arbeit vorsieht. Von Dienstag auf Mittwoch wird außerdem gegen § 5 verstoßen, welche eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsschichten vorschreibt. Zwischen der Veranstaltung der Allianz Pro Schiene bis 21 Uhr und dem Gespräch im Bundesverkehrsministerium um 7 Uhr am nächsten Tag liegen aber gerade mal zehn Stunden.</p>

<hr>

<p>Mir geht es mit diesem Beitrag allerdings nicht darum, eine Anklage für das MdB Matthias Gastel fertigzumachen, sondern viel mehr darum aufzuzeigen, dass ein solches Pensum massiv überzogen ist und was es für Auswirkungen auf die Politiker*innen als Menschen hat, die ja immerhin gewählte Vertreter*innen des Volkes sind und entsprechend auch zu ihrem Aufgabenfeld gehört, dessen Interessen zu vertreten und dabei auch die Perspektive der von ihnen repräsentierten Menschen einnehmen zu können. Das fällt natürlich schwer, wenn einem dabei abverlangt wird, so viel mehr zu leisten als die meisten Arbeitnehmer*innen, als die meisten anderen Menschen. Denn auch wenn Bundespolitik erstmal keine harte körperliche Arbeit ist, ist ein solches Pensum immens anstrengend und entfremdet einen schnell von allem, was nicht zum direkten Arbeitsumfeld gehört.</p>

<p>Auf einem privaten Level erklärt das zumindest schon mal den etwas befremdlichen Post, den Ricarda Lang zum Rücktritt von Kevin Kühnert von seinen Parteipositionen auf Twitter (und auch auf Threads) absetzte. Die Formulierung lässt beinahe vermuten, er sei gestorben.</p>

<blockquote><p>Puh. Kevin Kühnert ist einer der klügsten und schlagfertigsten Politiker, die ich kennen lernen durfte. Und er zeigt gerade auch in dieser Situation, dass es ihm um die Sache geht und nicht um sich selbst. Er wird fehlen, als Politiker – und mir persönlich auch als Freund ❤️</p>

<p>– <a href="https://twitter.com/Ricarda_Lang/status/1843260782831865966">Ricarda Lang (@RicardaLang)</a>, 7. Oktober 2024</p></blockquote>

<p>Für jemanden, der derart stark in die Politik eingebunden ist, muss es auch tatsächlich so wirken. Denn ein privater Kontakt, vielleicht sogar mal ein Feierabendbier oder ähnliche Sperenzchen werden durch so einen straffen Terminplan vollkommen unmöglich gemacht. Wir erwarten also von unseren Politiker*innen, dass sie uns als Menschen repräsentieren während sie gleichzeitig eine unmenschliche Menge an Arbeit leisten sollen. Dabei wäre der private Kontakt zu “normalen” Menschen für Politiker*innen umso wichtiger, um auch mal eine etwas differenziertere Sichtweise auf ihre Arbeit zu erhalten als das Feedback, das sie auf Veranstaltungen, online und über ihr Abgeordnetenbüro in ihrer Rolle als Abgeordnete erhalten.</p>

<p>Ein beliebtes Genre besonders realitätsfremder Online-Posts von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens lässt sich dadurch auch erklären: Die Taxifahrer-Konversationen. Gerade rechte Arschlöcher wie Julian Reichelt und Ulf Poschardt, aber auch einige Politiker*innen, breit über das politische Spektrum gestreut, lassen sich regelmäßig dazu hinreißen, online über für sie spannende Konversationen mit Taxifahrer*innen zu philosophieren. Was denn auch sonst? Es gibt ja außerhalb von Taxifahrten eigentlich keinen Zeitpunkt in ihrem Alltag, in dem sie nicht ausschließlich in ihrer Rolle als öffentliche Persönlichkeiten auftreten.</p>

<p>Auf einem beruflichen und politischen Level kann dieser enge Dienstplan allerdings auch Sorgenfalten bereiten. Denn es mag zwar einige Abgeordnete geben, die ihren Dienst nicht ganz so ernst nehmen (ich meine damit speziell auch Markus Söder), aber am Ende sind doch genau diese Menschen auch dafür verantwortlich, Arbeitspolitik für die Menschen zu machen, für die sie verantwortlich sind. Wer also nun regelmäßig einen 10-Stunden-Tag (oder mehr) hat und seine Wochenenden mit Arbeitsreisen verbringt, der verliert dabei auch leicht die Perspektive für jene, die eine 40-Stunden-Woche als Vollbeschäftigung ansehen – und kommt entsprechend eher auf die weltfremde Idee, Arbeitnehmer*innen zu mehr Überstunden motivieren zu wollen. Schließlich ist das für jemanden, der ausschließlich für seine Arbeit lebt, deutlich realitätsnäher als der Wunsch vieler insbesondere jüngerer Arbeitnehmer*innen nach 4-Tage-Wochen mit 30 Arbeitsstunden. <a href="https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/vorschlag-von-lindner-ueberstunden-steuerlich-beguenstigen,U9SPSjF">Nicht wahr, Herr Lindner?</a></p>

<p>Auch komplett menschenfeindliche Ausfälle wie die des Arbeitsministers Hubertus Heil, der mittlerweile in leider gewohnter Regelmäßigkeit <a href="https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/b%C3%BCrgergeld-kabinett-beschlie%C3%9Ft-sch%C3%A4rfere-sanktionen-f%C3%BCr-empf%C3%A4nger/ar-AA1rAeSB">gegen Bürgergeldempfänger*innen schimpft</a> werden dadurch nochmal etwas rekontextualisiert. Schließlich arbeitet man als Abgeordnete*r gute 60-80 Stunden pro Woche, sieben Tage die Woche. Warum kriegen das die faulen Dummköpfe ohne Arbeit nicht auch hin? Die Lebensrealität irgendwelcher Vorstände und Management-Anzüge ist für Bundestagsabgeordnete so greifbarer als die normaler Menschen.</p>

<hr>

<p>All das ist keine erschöpfende Erklärung für die menschenfeindliche Politik der Ampel gegenüber armen Menschen. Es ist auch keine Entschuldigung für die Änderung des Kurses innerhalb der Bundesregierung hin zu einer konservativen bis protofaschistischen Politik. Dafür gibt es andere Triebfaktoren. Ich fand diesen kleinen Einblick allerdings überaus spannend, weil er exemplarisch aufzeigt, dass gerade diejenigen, die sich in der Regierung um gute Politik bemühen einem Arbeitspensum ausgesetzt sind, dass sie von einer menschlichen Erfahrung extrem entfremdet. Die Erfahrung normaler Menschen in einem normalen Arbeitsverhältnis ist für sie so genauso fremd, wie die Politik in Berlin und in den Landtagen oftmals für Bürger*innen erscheint.</p>

<p>Das soll auch kein Angriff auf Matthias Gastel sein, der sicherlich mit Leidenschaft bei der Sache ist. Der Fehler liegt hier nicht bei ihm oder seinem Büro, die lediglich das machen, was ihnen vom politischen Betrieb abverlangt wird. Es zeigt allerdings ein fundamentales Problem an der Politik auf, das in dieser Form wohl ewig zu einem Riss zwischen Politiker*innen und der Bevölkerung führen wird – denn wenn wir Politiker*innen nicht zugestehen, außerhalb ihres Berufs auch Menschen zu sein, dann können sie auch keine Politik für Menschen machen.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://dxcibel.cyou/politiker-innen-sind-keine-normalen-menschen</guid>
      <pubDate>Sun, 13 Oct 2024 21:10:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Was wir nicht sehen</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/was-wir-nicht-sehen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Es gibt vieles, was ich am Fediverse auszusetzen habe. Eine Praxis hat sich dort allerdings etabliert wie nirgends sonst: Bildbeschreibungen.&#xA;&#xA;HTML-Code für die Einbindung eines Bildes, aufgesplittet in drei Teile. Neben dem HTML-Tag gibt es den Namen der Bilddatei sowie die Bildbeschreibung im Alt-Text&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;&#xA;Heute hatte ich auf meiner Timeline einen Post von @AltTextHealthCheck@mastodon.social. Ein Account, der Posts mit Bildern im Fediverse analysiert und Statistiken dazu veröffentlicht, wie viele davon Bildbeschreibungen haben. Was ich sah, freute mich sehr, denn die Prozentanteile der Posts mit Bildbeschreibungen war in diesem Leaderboard wirklich überraschend hoch:&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://mastodon.social/@AltTextHealthCheck/112657151180781402/embed&#34; class=&#34;mastodon-embed&#34; style=&#34;max-width: 100%; border: 0&#34; width=&#34;600&#34; height=&#34;500&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34;/iframescript src=&#34;https://mastodon.social/embed.js&#34; async=&#34;async&#34;/script&#xA;&#xA;Führend sind hier chaos.social und tech.lgbt, wo jeweils 82%(!) der geposteten Bilder eine Beschreibung haben. Auch auf der größten Instanz, mastodon.social, sind es immerhin 23% der geposteten Bilder. Das ist enorm, und vor allem im Vergleich zu profitorientierten sozialen Medien ein Riesenunterschied. Für die habe ich keine Statistiken, allerdings kann ich die Anzahl der Bilder mit Bildbeschreibungen, die mir täglich auf Twitter oder Threads begegnen meist an einem Finger abzählen – zumindest, wenn es nicht gerade trendet, die Bildbeschreibungen für Pointen zu missbrauchen. Eine kurze Suche ergibt in die Richtung auch nichts, falls ihr also dazu irgendwelche Zahlen habt, lasst es mich gerne wissen!&#xA;&#xA;Beeindruckend finde ich hier übrigens auch, wie hoch die Quote auf mastodon.art ist. Eine Instanz, die sich gezielt an Künstler\innen richtet und noch dazu eine der größten im gesamten Fediverse. Man sollte meinen, dass es für Künstler\innen schwerer ist, adäquate Bildbeschreibungen zu machen. Schließlich soll Kunst ja nicht nur rein visuelle Informationen transportieren, sondern dem Betrachter auch ein gewisses Gefühl, einen Vibe vermitteln. Nichtsdestotrotz nehmen sich immerhin 78% der Nutzer\innen dort die Zeit, Bildbeschreibungen zu formulieren. Chapeau!&#xA;&#xA;Warum Bildbeschreibungen?&#xA;&#xA;Für die Uninitiierten möchte ich einmal ganz kurz erklären, worum es hier überhaupt geht und warum diese hohe Quote so ein Erfolg ist.&#xA;&#xA;Bildbeschreibungen sind erst einmal ein Werkzeug der Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen. Denn die können mit Bildern ohne Beschreibungen in den sozialen Medien erstmal überhaupt nichts anfangen. Sehen können sie sie ja schließlich nicht, oder nur schlecht. Allein das sollte in sich schon genug Motivation sein, um Bildbeschreibungen zu machen. Insbesondere wenn man betrachtet, wie viel wir Bilder auch für Dinge nutzen, die eigentlich gar nicht unbedingt ein Bild sein müssten (Screenshots von Text, Zitatplatten, Flyer für Veranstaltungen) und dann die darin enthaltene Information nirgendwo anders zugänglich machen.&#xA;&#xA;Doch auch Menschen, die nicht sehbehindert sind, profitieren besonders in zwei sehr konkreten Szenarien von Bildbeschreibungen: Bei schlechter mobiler Datenverbindung (kennt man in Deutschland ja allzu gut) und wenn das Bild Informationen enthält, die Betrachter\innen vielleicht nicht ohne Hintergrundwissen verstehen können. Das kann von obskuren Witzen über Nischengebiete bis hin zu Wissen über popkulturelle Persönlichkeiten reichen. Wenn zum Beispiel auf Stan-Twitter die Frage rumgeht, wer das beste Hip Hop-Album der letzten Jahre geschrieben hat und eine Person ein Foto des\der Künstler\in postet, weiß ich vielleicht nicht unbedingt sofort, wer das ist.&#xA;&#xA;Entsprechend sind Bildbeschreibungen in meinen Augen ein wichtiger Teil, um Menschen Teilhabe an sozialen Medien und den dort stattfindenden Konversationen zu bieten. Besonders wichtig in meinen Augen bei Accounts von staatlichen Institutionen und Unternehmen, die eine hohe Reichweite haben, aber auch im Privaten eine kleine Leistung, die vielen Menschen hilft. Der DBSV hat eine gute Anleitung, wie man Bildbeschreibungen schreibt, und verlinkt weiter zu Hilfeseiten wo erklärt wird, wie man sie technisch auf den gängigen Plattformen einpflegt.&#xA;&#xA;Der Teil, wo ich spekuliere, warum das so ist&#xA;&#xA;Mastodon, bzw. das Fediverse hat nun also im Gegensatz zu profitorientierten Plattformen eine Kultur entwickelt, in der Bildbeschreibungen zwar nicht omnipräsent, aber zumindest normalisiert sind. Das ist natürlich erstmal sehr schön zu sehen, aber neugierige Seelen wie ich fragen sich dann natürlich direkt, woher das kommt.&#xA;&#xA;Ein Erklärungsansatz ist die grundsätzliche Kultur des Fediverse, wo Posts auch durchaus mal etwas ausschweifender werden können und die persönliche Verbindung zwischen Menschen zumindest nach außen hin als eines der wichtigsten Elemente des Netzwerks beschrieben wird. &#xA;&#xA;Gerade vor dem großen Influx an User\innen vor Musks Twitter-Übernahme im November 2022 war das Fediverse ein Ort, den „Verstoßene“ aller Art ihr Heim nannten. Das betrifft einerseits die 4Chan-nahen Teile des Fediverse, deren Hassrede so extrem ist, dass sie auf kommerziellen Plattformen keine Chance haben. Aber auch (oftmals weiße) queere Menschen, neurodivergente Menschen, politische Dissident\innen und Leute, die Konversationen in Mailinglisten von Linux-Distributionen führen, fühlen sich in den herkömmlichen Medien nicht unbedingt zuhause bzw. werden mitunter auch von dort vertrieben. &#xA;&#xA;Die Kombination aus queeren, neurodivergenten und technikaffinen Menschen –an vielen Stellen treffen alle drei Adjektive zu – machte das Fediverse zu einem fruchtbaren Boden für eine Kultur, die sensibel für den verbreiteten Ableismus auf anderen Plattformen ist und sich dem bewusst entgegenstellt. Ähnlich dazu ist auch eine verbreitete Nutzung von Contentwarnungen, um auf belastende Inhalte in den eigenen Posts hinzuweisen. Dass das auch Schattenseiten hat möchte ich nicht verschweigen, ist allerdings eine Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden sollte. Dass viele Menschen das eher seltsam finden und insbesondere mit belehrenden Posts hierzu nicht gut klarkommen, konnte man sehr gut in besagtem November 2022 beobachten, als viele neue User\innen auf die bestehende Kultur stießen und ein guter Teil sich relativ schnell wieder abwandte. Das war einerseits durch die technischen Bedingungen der Plattform bedingt, aber jede\r, der schon einmal mit einem Hans aus Stuttgart über Linux diskutieren durfte weiß, wie anstrengend das allgemeine Überlegenheitsverständnis von Open Source- und eben auch Fediverse-Anhänger\innen auch sein kann. &#xA;&#xA;Nichtsdestotrotz kann man finde ich eine Verbindung von dieser Engstirnigkeit zu der Prävalenz von Bildbeschreibungen im Fediverse aufstellen. Denn zu der Kultur, in der Bildbeschreibungen derart normalisiert sind, gehört auch die wiederholte und oft recht scharf formulierte Aufforderung vieler User\innen, Beschreibungen zu machen. Unzählige Male habe ich bereits Posts in der Art von &#34;Wenn ihr keine Bildbeschreibungen macht, interagiere ich mit euren Posts nicht!&#34; gesehen, einen gewissen Effekt wird das sicher gehabt haben.&#xA;&#xA;Ein weiterer Aspekt dürfte das Endgerät sein, mit dem viele Leute auf das Fediverse zugreifen. Denn anders als viele Nutzer\innen in den herkömmlichen sozialen Medien dürfte die Nutzung von Computern im Fediverse aufgrund der etwas älteren, technikaffinen Zusammensetzung der Userbase deutlich verbreiteter sein – zumindest auf der Flaggschiff-Instanz mastodon.social ist das so. Und es wird wohl kaum jemand dagegen argumentieren können, dass mal eben zwei Sätze schreiben an einem Computer/Laptop deutlich einfacher ist, als an einem Handy. Das macht den Schritt, tatsächlich Bildbeschreibungen für die eigenen Posts zu schreiben, deutlich einfacher. Auch das ist nur Spekulation, aber zumindest ergibt es für mich Sinn, dass die Verkleinerung der technischen Hürde hier durchaus auch einen Unterschied macht. Einen Blogpost in dieser Länge würde ich an meinem Handy zumindest keinesfalls schreiben wollen.&#xA;&#xA;Was bleibt?&#xA;&#xA;Die Verbreitung von Bildbeschreibungen im Fediverse ist aufgrund der genannten Faktoren sicherlich gut zu erklären. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn die Nutzung auch auf anderen Plattformen weiter verbreitet würde. Und da hilft nichts: Man muss die Leute dort auch mal etwas nerven. Denn eine Zusatzleistung zu erbringen, die nicht jedem hilft, ist eine Hürde, die den meisten schlichtweg zu viel ist – vor allem, wenn es keinerlei sozialen Druck gibt, sie zu nehmen. Wenn ihr also bis hierhin gelesen habt und noch keine Verfechter\innen der Bildbeschreibungen seid, dann probiert es doch vielleicht einfach mal aus, redet mit Leuten darüber, weist auch mal (freundlich!) darauf hin, wie gut es wäre, wenn gerade größere Accounts sie auch benutzen würden. Denn sie können vielen Menschen das Leben wirklich einfacher gestalten.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="es-gibt-vieles-was-ich-am-fediverse-auszusetzen-habe-eine-praxis-hat-sich-dort-allerdings-etabliert-wie-nirgends-sonst-bildbeschreibungen" id="es-gibt-vieles-was-ich-am-fediverse-auszusetzen-habe-eine-praxis-hat-sich-dort-allerdings-etabliert-wie-nirgends-sonst-bildbeschreibungen">Es gibt vieles, was ich am Fediverse auszusetzen habe. Eine Praxis hat sich dort allerdings etabliert wie nirgends sonst: Bildbeschreibungen.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/4a8068eb0fdec6bc.png" alt="HTML-Code für die Einbindung eines Bildes, aufgesplittet in drei Teile. Neben dem HTML-Tag gibt es den Namen der Bilddatei sowie die Bildbeschreibung im Alt-Text">
</p>

<p><a href="https://mastodon.social/@AltTextHealthCheck">Bildquelle</a></p>

<p>Heute hatte ich auf meiner Timeline einen Post von <a href="https://dxcibel.cyou/@/AltTextHealthCheck@mastodon.social" class="u-url mention">@<span>AltTextHealthCheck@mastodon.social</span></a>. Ein Account, der Posts mit Bildern im Fediverse analysiert und Statistiken dazu veröffentlicht, wie viele davon Bildbeschreibungen haben. Was ich sah, freute mich sehr, denn die Prozentanteile der Posts mit Bildbeschreibungen war in diesem Leaderboard wirklich überraschend hoch:</p>

<p><iframe src="https://mastodon.social/@AltTextHealthCheck/112657151180781402/embed" class="mastodon-embed" style="max-width: 100%; border: 0" width="600" height="500" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>

<p>Führend sind hier chaos.social und tech.lgbt, wo jeweils 82%(!) der geposteten Bilder eine Beschreibung haben. Auch auf der größten Instanz, mastodon.social, sind es immerhin 23% der geposteten Bilder. Das ist enorm, und vor allem im Vergleich zu profitorientierten sozialen Medien ein Riesenunterschied. Für die habe ich keine Statistiken, allerdings kann ich die Anzahl der Bilder mit Bildbeschreibungen, die mir täglich auf Twitter oder Threads begegnen meist an einem Finger abzählen – zumindest, wenn es nicht gerade trendet, die Bildbeschreibungen für Pointen zu missbrauchen. Eine kurze Suche ergibt in die Richtung auch nichts, falls ihr also dazu irgendwelche Zahlen habt, lasst es mich gerne wissen!</p>

<p>Beeindruckend finde ich hier übrigens auch, wie hoch die Quote auf mastodon.art ist. Eine Instanz, die sich gezielt an Künstler*innen richtet und noch dazu eine der größten im gesamten Fediverse. Man sollte meinen, dass es für Künstler*innen schwerer ist, adäquate Bildbeschreibungen zu machen. Schließlich soll Kunst ja nicht nur rein visuelle Informationen transportieren, sondern dem Betrachter auch ein gewisses Gefühl, einen Vibe vermitteln. Nichtsdestotrotz nehmen sich immerhin 78% der Nutzer*innen dort die Zeit, Bildbeschreibungen zu formulieren. Chapeau!</p>

<h2 id="warum-bildbeschreibungen" id="warum-bildbeschreibungen">Warum Bildbeschreibungen?</h2>

<p>Für die Uninitiierten möchte ich einmal ganz kurz erklären, worum es hier überhaupt geht und warum diese hohe Quote so ein Erfolg ist.</p>

<p>Bildbeschreibungen sind erst einmal ein Werkzeug der Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen. Denn die können mit Bildern ohne Beschreibungen in den sozialen Medien erstmal überhaupt nichts anfangen. Sehen können sie sie ja schließlich nicht, oder nur schlecht. Allein das sollte in sich schon genug Motivation sein, um Bildbeschreibungen zu machen. Insbesondere wenn man betrachtet, wie viel wir Bilder auch für Dinge nutzen, die eigentlich gar nicht unbedingt ein Bild sein müssten (Screenshots von Text, Zitatplatten, Flyer für Veranstaltungen) und dann die darin enthaltene Information nirgendwo anders zugänglich machen.</p>

<p>Doch auch Menschen, die nicht sehbehindert sind, profitieren besonders in zwei sehr konkreten Szenarien von Bildbeschreibungen: Bei schlechter mobiler Datenverbindung (kennt man in Deutschland ja allzu gut) und wenn das Bild Informationen enthält, die Betrachter*innen vielleicht nicht ohne Hintergrundwissen verstehen können. Das kann von obskuren Witzen über Nischengebiete bis hin zu Wissen über popkulturelle Persönlichkeiten reichen. Wenn zum Beispiel auf Stan-Twitter die Frage rumgeht, wer das beste Hip Hop-Album der letzten Jahre geschrieben hat und eine Person ein Foto des*der Künstler*in postet, weiß ich vielleicht nicht unbedingt sofort, wer das ist.</p>

<p>Entsprechend sind Bildbeschreibungen in meinen Augen ein wichtiger Teil, um Menschen Teilhabe an sozialen Medien und den dort stattfindenden Konversationen zu bieten. Besonders wichtig in meinen Augen bei Accounts von staatlichen Institutionen und Unternehmen, die eine hohe Reichweite haben, aber auch im Privaten eine kleine Leistung, die vielen Menschen hilft. <a href="https://www.dbsv.org/bildbeschreibung-4-regeln.html">Der DBSV hat eine gute Anleitung</a>, wie man Bildbeschreibungen schreibt, und verlinkt weiter zu Hilfeseiten wo erklärt wird, wie man sie technisch auf den gängigen Plattformen einpflegt.</p>

<h2 id="der-teil-wo-ich-spekuliere-warum-das-so-ist" id="der-teil-wo-ich-spekuliere-warum-das-so-ist">Der Teil, wo ich spekuliere, warum das so ist</h2>

<p>Mastodon, bzw. das Fediverse hat nun also im Gegensatz zu profitorientierten Plattformen eine Kultur entwickelt, in der Bildbeschreibungen zwar nicht omnipräsent, aber zumindest normalisiert sind. Das ist natürlich erstmal sehr schön zu sehen, aber neugierige Seelen wie ich fragen sich dann natürlich direkt, woher das kommt.</p>

<p>Ein Erklärungsansatz ist die grundsätzliche Kultur des Fediverse, wo Posts auch durchaus mal etwas ausschweifender werden können und die persönliche Verbindung zwischen Menschen zumindest nach außen hin als eines der wichtigsten Elemente des Netzwerks beschrieben wird.</p>

<p>Gerade vor dem großen Influx an User*innen vor Musks Twitter-Übernahme im November 2022 war das Fediverse ein Ort, den „Verstoßene“ aller Art ihr Heim nannten. Das betrifft einerseits die 4Chan-nahen Teile des Fediverse, deren Hassrede so extrem ist, dass sie auf kommerziellen Plattformen keine Chance haben. Aber auch (<a href="https://www.techpolicy.press/the-whiteness-of-mastodon/">oftmals weiße</a>) queere Menschen, neurodivergente Menschen, politische Dissident*innen und Leute, die Konversationen in Mailinglisten von Linux-Distributionen führen, fühlen sich in den herkömmlichen Medien nicht unbedingt zuhause bzw. werden mitunter auch von dort vertrieben.</p>

<p>Die Kombination aus queeren, neurodivergenten und technikaffinen Menschen –an vielen Stellen treffen alle drei Adjektive zu – machte das Fediverse zu einem fruchtbaren Boden für eine Kultur, die sensibel für den verbreiteten Ableismus auf anderen Plattformen ist und sich dem bewusst entgegenstellt. Ähnlich dazu ist auch eine verbreitete Nutzung von Contentwarnungen, um auf belastende Inhalte in den eigenen Posts hinzuweisen. Dass das auch Schattenseiten hat möchte ich nicht verschweigen, ist allerdings eine Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden sollte. Dass viele Menschen das eher seltsam finden und insbesondere mit belehrenden Posts hierzu nicht gut klarkommen, konnte man sehr gut in besagtem November 2022 beobachten, als viele neue User*innen auf die bestehende Kultur stießen und ein guter Teil sich relativ schnell wieder abwandte. Das war einerseits durch die technischen Bedingungen der Plattform bedingt, aber jede*r, der schon einmal mit einem Hans aus Stuttgart über Linux diskutieren <em>durfte</em> weiß, wie anstrengend das allgemeine Überlegenheitsverständnis von Open Source- und eben auch Fediverse-Anhänger*innen auch sein kann.</p>

<p>Nichtsdestotrotz kann man finde ich eine Verbindung von dieser Engstirnigkeit zu der Prävalenz von Bildbeschreibungen im Fediverse aufstellen. Denn zu der Kultur, in der Bildbeschreibungen derart normalisiert sind, gehört auch die wiederholte und oft recht scharf formulierte Aufforderung vieler User*innen, Beschreibungen zu machen. Unzählige Male habe ich bereits Posts in der Art von “Wenn ihr keine Bildbeschreibungen macht, interagiere ich mit euren Posts nicht!” gesehen, einen gewissen Effekt wird das sicher gehabt haben.</p>

<p>Ein weiterer Aspekt dürfte das Endgerät sein, mit dem viele Leute auf das Fediverse zugreifen. Denn anders als viele Nutzer*innen in den herkömmlichen sozialen Medien dürfte die Nutzung von Computern im Fediverse aufgrund der etwas älteren, technikaffinen Zusammensetzung der Userbase deutlich verbreiteter sein – zumindest auf der Flaggschiff-Instanz mastodon.social <a href="https://mastodon.social/@Gargron/112662023734261452">ist das so</a>. Und es wird wohl kaum jemand dagegen argumentieren können, dass <em>mal eben zwei Sätze schreiben</em> an einem Computer/Laptop deutlich einfacher ist, als an einem Handy. Das macht den Schritt, tatsächlich Bildbeschreibungen für die eigenen Posts zu schreiben, deutlich einfacher. Auch das ist nur Spekulation, aber zumindest ergibt es für mich Sinn, dass die Verkleinerung der technischen Hürde hier durchaus auch einen Unterschied macht. Einen Blogpost in dieser Länge würde ich an meinem Handy zumindest keinesfalls schreiben wollen.</p>

<h2 id="was-bleibt" id="was-bleibt">Was bleibt?</h2>

<p>Die Verbreitung von Bildbeschreibungen im Fediverse ist aufgrund der genannten Faktoren sicherlich gut zu erklären. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn die Nutzung auch auf anderen Plattformen weiter verbreitet würde. Und da hilft nichts: Man muss die Leute dort auch mal etwas nerven. Denn eine Zusatzleistung zu erbringen, die nicht jedem hilft, ist eine Hürde, die den meisten schlichtweg zu viel ist – vor allem, wenn es keinerlei sozialen Druck gibt, sie zu nehmen. Wenn ihr also bis hierhin gelesen habt und noch keine Verfechter*innen der Bildbeschreibungen seid, dann probiert es doch vielleicht einfach mal aus, redet mit Leuten darüber, weist auch mal (freundlich!) darauf hin, wie gut es wäre, wenn gerade größere Accounts sie auch benutzen würden. Denn sie können vielen Menschen das Leben wirklich einfacher gestalten.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/was-wir-nicht-sehen</guid>
      <pubDate>Sat, 22 Jun 2024 12:58:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Auswärts bei der SG Andernach</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/auswarts-bei-der-sg-andernach</link>
      <description>&lt;![CDATA[Zwei Spiele an zwei Tagen. Das eine komplett zum Vergessen, das andere eigentlich auch – aber es geht ja nicht nur um den Sport.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Um das Spiel der Eintracht Frauen gegen Bayer Leverkusen am gestrigen Samstag soll es hier mal nicht gehen. Denn ich habe etwas gemacht, was im letzten Jahr selten gewesen ist: Ich habe mal wieder ein Spiel der Eintracht in einem privaten Kontext besucht. Auch wenn ich gerne in der Fanbetreuung arbeite, geht mir der private Genuss des Eintracht-Fußballs doch ab und zu mal ab. Wobei es in diesem Fall eher Zufall als Plan war, dass ich unserer Zweitvertretung in der 2. Frauen-Bundesliga hinterherreise, wie ich das auch bei den Profis in der 1. Liga schon seit längerem tue.&#xA;&#xA;Warum Andernach?&#xA;&#xA;Meine Motivation war viel mehr, dass ich an diesem Wochenende, bevor für mich das Sommersemester beginnt, nochmal eine nette kleine Tour machen wollte, wie ich das in den vergangenen Monaten bereits zum SV Sandhausen, zur SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und in Richtung Waldhof Mannheim getan habe, um mir einfach mal den Fußball in der näheren (und zugegeben etwas weiteren) Umgebung anzuschauen. Was mir dabei allerdings noch fehlte, war ein Spiel einer Frauenmannschaft. Wenig überraschend, aber doch ein wenig enttäuschend, ist es nämlich etwas schwieriger, hochklassigen Frauenfußball zu finden, für den man nicht die halbe Republik durchqueren muss. Und die Frauen-Bundesliga fällt ja auch raus, denn bis auf das AOK-Stadion in Wolfsburg werde ich nach der Saison alle Grounds in dieser Liga gemacht haben. Dabei war ich schon zweimal in Wolfsburg! Die Spiele werden halt immer wieder in die VW-Arena hochverlegt.&#xA;&#xA;Das macht Andernach als Ziel natürlich umso attraktiver, denn die wollen ja tatsächlich gar nicht aufsteigen. Sportlich spielen die Bäckermädchen, wie das Team in Andernach genannt wird, seit einiger Zeit im oberen Tabellendrittel der 2. Frauen-Bundesliga mit, allerdings ist der Schritt in den Profifußball von dort aus doch noch ein großer. Das Stadion Andernach müsste umgebaut werden, es fehlen Sitzplätze und ein Flutlicht. Und auch was den Staff angeht haben es die Auflagen vom DFB mittlerweile in sich, wenn man ein Amateurklub ohne überdurchschnittlichen regionalen Rückhalt oder zumindest semi-erfolgreiche Männerabteilung ist. Das macht es unwahrscheinlich, dass ich in einem beruflichen Kontext jemals nach Andernach fahren werde, weshalb dieser Trip recht hoch auf meiner Liste von Stadien, die ich noch sehen möchte, war.&#xA;&#xA;Der Weg dahin&#xA;&#xA;Da ich kein Auto habe, und auch kein Bedürfnis mir für solche Fahrten eines zu mieten, fand die Anreise mit dem Zug statt. Die war etwas umständlicher als eigentlich nötig, was allerdings eine freiwillige Entscheidung war. Denn theoretisch muss man von Frankfurt aus nur einmal umsteigen, um mit dem Regionalzug bis nach Andernach zu kommen: Mit der S9 bis zum Mainzer Hauptbahnhof und von dort in den stündlich verkehrenden RB Richtung Köln Messe/Deutz und schon ist man da.&#xA;&#xA;Da ich mir für alles ordentlich Puffer einbauen wollte – wir reden hier schließlich von der Deutschen Bahn – bin ich allerdings stattdessen mit der S8 bis Niederrad gefahren und von dort in den RE nach Saarbrücken eingestiegen, der mich dann nach Mainz gebracht hat. Eine kleine Detour, die dafür sorgte, dass ich in Mainz etwa fünf Minuten mehr Umsteigezeit hatte.&#xA;&#xA;Von Mainz ging es dann im nahezu durchweg reichlich vollen durch jedes, und damit meine ich wirklich jedes, Dorf am Rhein zwischen Mainz und Andernach. Das hätte einen beinahe ärgern können, wäre die Landschaft entlang des Rheins nicht so unheimlich malerisch. Als Beispiel hierfür kann ich nur den Blick aus dem Zugfenster in Sankt Goarshausen anbringen.&#xA;&#xA;Burg!!! Auf einem Berg!!! Umgeben von Wald, direkt am Rhein&#xA;&#xA;Malerisch. Ich hatte mir eigentlich ein Buch mitgenommen, war dann aber doch weitgehend damit beschäftigt, aus dem Fenster zu blicken und mir die Umgebung anzuschauen. Bei den steilen Hängen, die der Rhein durch die schiere Macht des Wassers über Jahrhunderte wie eine Schneise in die Landschaft reingefräst hat, fand ich es nur angebracht, ein wenig Bewunderung für die unheimliche Macht des Wassers entfalten zu lassen – eine Macht, die so groß ist, dass selbst wir Menschen uns dem geschlagen geben müssen. Deutschland ist so dich besiedelt, aber hier reicht es doch meist für nicht mehr als 1-2 Häuserreihen, ehe der Hang zu steil wird, um ihn zu besiedeln.&#xA;&#xA;Gebührende Begrüßung&#xA;&#xA;Mit circa zehn Minuten Verspätung erreichte ich dann Andernach und wurde in dem etwas klaustrophobischen Bahnhofsgebäude, in dem sich aber immerhin auch ein Hacker- und Makerspace befindet (hatte leider nicht offen, direkt gebührend begrüßt.&#xA;&#xA;Graffiti an einer weißen Wand: &#39;Frankfurt bleibt radikal&#39;. &#39;Radikal&#39; ist durchgestrichen, stattdessen hat dort jemand &#39;schwul&#39; hingeschrieben&#xA;&#xA;Sicherlich beleidigend gemeint, allerdings entlockte es mir bei dem Anblick doch ein kleines &#34;Hell Yeah!&#34;. Ich wünschte, Frankfurt wäre so schwul, wie es dieses Graffiti impliziert.&#xA;&#xA;Derartig den Rücken gestärkt machte ich mich auf den Weg zum Stadion, der vom Andernacher Bahnhof übrigens tatsächlich über den Kurfürstendamm führt. Den gibt es nicht nur in Berlin!, sondern auch in der Weltstadt Andernach. Zeit, um mir etwas zu essen zu holen, war auch noch, also holte ich mir beim erstbesten Dönerladen eine Pizza und aß sie auf der nächstbesten Bank. Meine Ansprüche waren gering: Weil in Frankfurt sonntags um 11 anscheinend nur im Nordend Bäckereien geöffnet haben, hatte ich noch nicht gefrühstückt. Nach dem Essen dann einfach weiter geradeaus zum Stadion.&#xA;&#xA;Der actual Hopper-Part. Worüber habe ich hier bisher überhaupt geredet?&#xA;&#xA;Das Stadion Andernach ist etwas außerhalb der Stadt hinter einer Unterführung ziemlich gut versteckt hinter einigen Bäumen. Meine Gedanken, als ich in die Nähe des Stadions kam gingen in die Richtung Irgendwo hier müsste es dann sein und Vielleicht hätte ich vorher fragen sollen, wie man herkommt? Beschildert ist auf jeden Fall nichts, auch wenn dann irgendwann das Gitter zum Eingangsbereich sichtbar wurde. Ein paar Leuten konnte ich immerhin auch folgen, um den Weg zu finden – eine Taktik, die sich bei bisherigen Stadionbesuchen eigentlich immer bewährt hatte, diesmal allerdings an seine Grenzen stieß, da der Publikumsverkehr vor dem Stadion bei meiner Ankunft noch vergleichsweise gering war.&#xA;&#xA;Trotz alledem fand ich meinen Weg auf das Stadiongelände, zahlte meine 4€ Eintritt (ermäßigt, Vollpreis 6€), holte mir direkt neben der Kasse an einem kleinen Stand, der nur Getränke verkaufte, eine Afri-Cola (2€ plus 50 Cent Pfand) und stand nun in einem für das Publikum völlig überdimensionierten Stadion. Für knapp 15.000 Leute ist das Stadion Andernach ausgelegt, alles Stehplätze auf einem Grashügel. &#xA;&#xA;Im Vordergrund eine Eintrittskarte für das Heimspiel der SG Andernach Frauen gegen die Zweitvertretung der Eintracht. Im Hintergrund das Stadion Andernach. Viel Grün.&#xA;&#xA;Nur die Gegentribüne hat ein paar Stufen, eine historische Holztribüne auf Seiten der Trainerinnenbänke, die immerhin knapp 100 Leuten Platz bieten würde, ist aus sicherheitstechnischen Gründen komplett geschlossen. Ein Großteil der Fans sammelt sich so um das Mundloch am Eingang des Stadions, wobei einige Superfans sich tatsächlich auf der anderen Seite des Stadions niedergelassen hatten und dort auch Nutzen von Trommel und Megaphon machten.&#xA;&#xA;Das Essen kann ich leider nicht beurteilen, da ich satt am Stadion ankam, allerdings habe ich auch nur die standardmäßige Stadionwurst gesehen. Dementsprechend ist es gut möglich, dass ich als Vegetarierin ohnehin keinen Erfahrungsbericht hätte geben können. Ich weiß schon, warum ich vorher gegessen hab.&#xA;&#xA;Das Spiel selbst wurde von den Bäckermädchen bestimmt, die die Eintracht über weite Strecken gut im Griff hatten. In der 39. fiel dann das verdiente 1:0 durch Carolin Schraa, die mit einem technisch starken Dribbling auf der rechten Seite Emily Wallrabenstein ziemlich alt aussehen ließ und den Ball dann von dort einschieben konnte – ihr neuntes Saisontor. Auch wenn durch die unheimlich kratzigen und von meiner Position aus kaum verständlichen Stadionlautsprecher erstmal Leonie Stöhr als Torschützin verkündet wurde.&#xA;&#xA;Auch sonst spielten sich die Bäckermädchen einige Chancen heraus, gerade Standards kamen auch oft sehr gefährlich. Mit 1:0 ging es dann in die Pause. Ein weiteres Tor fiel in der 80. durch Kathrin Schermuly, was den Sieg für die Andernacherinnen perfekt machte. Ich sah hier eine absolut solide, reife Mannschaft, die technisch stark gegen die zugegebenermaßen recht jungen Spielerinnen der Frankfurter Zweitvertreterinnen aufgetreten sind. &#xA;&#xA;Eine LED-Tafel am Funktionsgebäude des Stadion Andernach zeigt den Endstand: 2:0 für die Bäckermädchen.&#xA;&#xA;Nach dem Spiel kann ich absolut verstehen, warum sie die 2. Liga seit einiger Zeit so aufmischen – umso trauriger ist es, dass die sportliche Leistung nicht mit einem Aufstieg belohnt werden kann. Honoriert werden die Bäckermädchen dafür immerhin mit einem ansehnlichen Zuschauer\innenschnitt: 394 Menschen sahen dieses Spiel. Hier dürfte zwar der Gegner einiges ausgemacht haben, da ich in Andernach selbst auch den ein oder anderen Eintracht-Adler gesehen habe und auch im Stadion hier und da mal ein SGE-Trikot aufblitzte. Allerdings ist das trotzdem im oberen Drittel was das öffentliche Interesse in der 2. Frauen-Bundesliga angeht. Und an einem guten Tag könnte man mit 394 Zutritten auch dem ein oder anderen Bundesligisten die Show stehlen. &#xA;&#xA;Gerade der direkte Vergleich zu Bayer Leverkusen am Vortag drängt sich hier auf; bei den beiden Toren der Werkself war es im Stadion wirklich mucksmäuschenstill. Das war in Andernach anders. Dafür war die Stimmung abseits von konkreten Ballaktionen eher ruhig. Allemal das kleine Grüppchen auf Seiten der Trainerinnenbank war hier und da mal, dank Megaphon sogar recht deutlich, zu hören. Das hatte zwar einen Hang zur Rückkopplung nach jedem Satz, der Sprecher wurde allerdings trotzdem nicht müde, Prachtstücke wie &#34;Los Julia, du kannst es ja!&#34; und &#34;Komm Caro, mach uns alle froh!&#34; verlautbaren zu lassen. Auch der ein oder andere repetitive &#34;An-Der-Nach! An-Der-Nach!&#34;-Gesang wurde angestimmt und, zur Freude des Sprechers, von einigen Kindern auf Seiten des Mundlochs vorsichtig erwidert. Der Versuch, besagte Kinder mit einem beherzten &#34;Und jetzt Alle!&#34; zu weiteren Gesängen zu lenken war allerdings zum Scheitern verurteilt. Ich hoffe, dass sich hier noch ein bisschen was entwickeln kann. Die 2. Frauen-Bundesliga wird hoffentlich in den kommenden Jahren nur noch interessanter und die SG Andernach hätte eine, zumindest dem Umfeld angemessene, Fanszene verdient.&#xA;&#xA;Denn es war schon etwas auffällig, wie wenig der sehr gute Fußball, der hier gespielt wird, sich im Stadtbild von Andernach wiederfindet. Bei den Männern reicht es, einen unterdurchschnittlich performenden Regionalligisten in der Stadt haben, damit die gesamte Innenstadt mit Stickern zugekleistert ist. In Andernach, wo die Frauen aktuell an der Tabellenspitze sind, streiten sich der 1. FC Köln, TuS Koblenz und Eintracht Frankfurt um das Sticker-Vorrecht an den Laternenpfählen. Auch hier: Schade! Mit etwas mehr Rückhalt aus der Region und vielleicht ein bisschen Appeal zur Jugend statt zu Rentnerinnen und jungen Familien sehe ich hier großes Potenzial.&#xA;&#xA;Aftermath&#xA;&#xA;Woher ich das mit dem unterdurchschnittlichen Regionalligisten habe, kann ich auch direkt sagen. Denn nach dem Spiel hatte ich mir noch etwas Zeit eingeplant, bis ich in den ICE zurück nach Frankfurt gestiegen bin, um was-auch-immer zu machen. Da mein Zug in Koblenz fuhr und die Stadt touristisch doch noch etwas mehr zu bieten hat als Andernach, bin ich in den nächsten Regio dorthin gestiegen – interessanterweise der gleiche Regio, der mich auch hergebracht hatte. Ausgestiegen in Koblenz-Stadtmitte bin ich dann noch ein bisschen durch die Fußgängerzone geschlendert, denn mich dürstete es nach Bubble Tea. Den hätte ich zwar auch in Andernach bekommen können, doch das Geschäft welches sich zwischen Stadion und Bahnhof befindet, hat leider sonntags zu. So viel also zu dem Plan, rund um den Stadionbesuch die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Tja.&#xA;&#xA;Meinen Bubble Tea habe ich trotzdem bekommen, und ihn dann sogar mit Blick aufs Deutsche Eck trinken können. Das ist genau der Touri-Shit, den ich auf solchen Auswärtsfahrten machen möchte. Einfach head empty in Richtung der nächsten Sehenswürdigkeit laufen und konsumieren.&#xA;&#xA;Ein Bubble Tea. Im Hintergrund ist das Deutsche Eck zu sehen.&#xA;&#xA;Den Bubble Tea konsumiert machte ich mich dann langsam auf den Weg Richtung Hauptbahnhof. Praktischerweise fuhr direkt vom Deutschen Eck ein Bus dorthin. Der fährt zwar nur einmal pro Stunde, allerdings war ich ein bisschen lucky mit dem Timing und musste nur knappe fünf Minuten warten. Sogar Zeit zum Innehalten war noch, den auf dem Weg dorthin sah ich ein Straßenschild, das ich nicht ignorieren konnte.&#xA;&#xA;Straßenschild &#39;Danziger Freiheit&#39; ist durchgestrichen, darunter hängt ein Schild auf dem &#39;Esther-Bejarano-Straße&#39; geschrieben steht.&#xA;&#xA;Mit viel zu viel Zeit kam ich am Koblenzer Hauptbahnhof an, konnte noch ausgiebig den dort befindlichen Bahnhofsbuchladen inspizieren und auch noch einige Seiten lesen, bevor dann mein ICE einfuhr. Natürlich mit Verspätung. Insgesamt allerdings ein absolut gelungener Tag in Andernach und Koblenz. Bisher noch die schönste Groundhopping-Tour. Da lässt sich die Auswärtsniederlage für unsere zweite Mannschaft absolut verschmerzen – wobei das auch damit zusammenhängen könnte, dass Zweitvertretungen meiner Meinung nach nicht in die Liga gehören. Nun ja, für dieses Mal war ich froh, einen Anlass gehabt zu haben.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="zwei-spiele-an-zwei-tagen-das-eine-komplett-zum-vergessen-das-andere-eigentlich-auch-aber-es-geht-ja-nicht-nur-um-den-sport" id="zwei-spiele-an-zwei-tagen-das-eine-komplett-zum-vergessen-das-andere-eigentlich-auch-aber-es-geht-ja-nicht-nur-um-den-sport">Zwei Spiele an zwei Tagen. Das eine komplett zum Vergessen, das andere eigentlich auch – aber es geht ja nicht nur um den Sport.</h4>



<p>Um das Spiel der Eintracht Frauen gegen Bayer Leverkusen am gestrigen Samstag soll es hier mal nicht gehen. Denn ich habe etwas gemacht, was im letzten Jahr selten gewesen ist: Ich habe mal wieder ein Spiel der Eintracht in einem privaten Kontext besucht. Auch wenn ich gerne in der Fanbetreuung arbeite, geht mir der private <em>Genuss</em> des Eintracht-Fußballs doch ab und zu mal ab. Wobei es in diesem Fall eher Zufall als Plan war, dass ich unserer Zweitvertretung in der 2. Frauen-Bundesliga hinterherreise, wie ich das auch bei den Profis in der 1. Liga schon seit längerem tue.</p>

<h2 id="warum-andernach" id="warum-andernach">Warum Andernach?</h2>

<p>Meine Motivation war viel mehr, dass ich an diesem Wochenende, bevor für mich das Sommersemester beginnt, nochmal eine nette kleine Tour machen wollte, wie ich das in den vergangenen Monaten bereits zum SV Sandhausen, zur SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und in Richtung Waldhof Mannheim getan habe, um mir einfach mal den Fußball in der näheren (und zugegeben etwas weiteren) Umgebung anzuschauen. Was mir dabei allerdings noch fehlte, war ein Spiel einer Frauenmannschaft. Wenig überraschend, aber doch ein wenig enttäuschend, ist es nämlich etwas schwieriger, hochklassigen Frauenfußball zu finden, für den man nicht die halbe Republik durchqueren muss. Und die Frauen-Bundesliga fällt ja auch raus, denn bis auf das AOK-Stadion in Wolfsburg werde ich nach der Saison alle Grounds in dieser Liga gemacht haben. Dabei war ich schon zweimal in Wolfsburg! Die Spiele werden halt immer wieder in die VW-Arena hochverlegt.</p>

<p>Das macht Andernach als Ziel natürlich umso attraktiver, denn die wollen ja tatsächlich gar nicht aufsteigen. Sportlich spielen die Bäckermädchen, wie das Team in Andernach genannt wird, seit einiger Zeit im oberen Tabellendrittel der 2. Frauen-Bundesliga mit, allerdings ist der Schritt in den Profifußball von dort aus doch noch ein großer. Das Stadion Andernach müsste umgebaut werden, es fehlen Sitzplätze und ein Flutlicht. Und auch was den Staff angeht haben es die Auflagen vom DFB mittlerweile in sich, wenn man ein Amateurklub ohne überdurchschnittlichen regionalen Rückhalt oder zumindest semi-erfolgreiche Männerabteilung ist. Das macht es unwahrscheinlich, dass ich in einem beruflichen Kontext jemals nach Andernach fahren werde, weshalb dieser Trip recht hoch auf meiner Liste von Stadien, die ich noch sehen möchte, war.</p>

<h2 id="der-weg-dahin" id="der-weg-dahin">Der Weg dahin</h2>

<p>Da ich kein Auto habe, und auch kein Bedürfnis mir für solche Fahrten eines zu mieten, fand die Anreise mit dem Zug statt. Die war etwas umständlicher als eigentlich nötig, was allerdings eine freiwillige Entscheidung war. Denn theoretisch muss man von Frankfurt aus nur einmal umsteigen, um mit dem Regionalzug bis nach Andernach zu kommen: Mit der S9 bis zum Mainzer Hauptbahnhof und von dort in den stündlich verkehrenden RB Richtung Köln Messe/Deutz und schon ist man da.</p>

<p>Da ich mir für alles ordentlich Puffer einbauen wollte – wir reden hier schließlich von der Deutschen Bahn – bin ich allerdings stattdessen mit der S8 bis Niederrad gefahren und von dort in den RE nach Saarbrücken eingestiegen, der mich dann nach Mainz gebracht hat. Eine kleine Detour, die dafür sorgte, dass ich in Mainz etwa fünf Minuten mehr Umsteigezeit hatte.</p>

<p>Von Mainz ging es dann im nahezu durchweg reichlich vollen durch jedes, und damit meine ich wirklich jedes, Dorf am Rhein zwischen Mainz und Andernach. Das hätte einen beinahe ärgern können, wäre die Landschaft entlang des Rheins nicht so unheimlich malerisch. Als Beispiel hierfür kann ich nur den Blick aus dem Zugfenster in Sankt Goarshausen anbringen.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/goarshausen.jpg" alt="Burg!!! Auf einem Berg!!! Umgeben von Wald, direkt am Rhein"></p>

<p>Malerisch. Ich hatte mir eigentlich ein Buch mitgenommen, war dann aber doch weitgehend damit beschäftigt, aus dem Fenster zu blicken und mir die Umgebung anzuschauen. Bei den steilen Hängen, die der Rhein durch die schiere Macht des Wassers über Jahrhunderte wie eine Schneise in die Landschaft reingefräst hat, fand ich es nur angebracht, ein wenig Bewunderung für die unheimliche Macht des Wassers entfalten zu lassen – eine Macht, die so groß ist, dass selbst wir Menschen uns dem geschlagen geben müssen. Deutschland ist so dich besiedelt, aber hier reicht es doch meist für nicht mehr als 1-2 Häuserreihen, ehe der Hang zu steil wird, um ihn zu besiedeln.</p>

<h2 id="gebührende-begrüßung" id="gebührende-begrüßung">Gebührende Begrüßung</h2>

<p>Mit circa zehn Minuten Verspätung erreichte ich dann Andernach und wurde in dem etwas klaustrophobischen Bahnhofsgebäude, in dem sich aber immerhin auch ein Hacker- und Makerspace befindet (hatte leider nicht offen, direkt gebührend begrüßt.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/frankfurtbleibtschwul.jpg" alt="Graffiti an einer weißen Wand: &#39;Frankfurt bleibt radikal&#39;. &#39;Radikal&#39; ist durchgestrichen, stattdessen hat dort jemand &#39;schwul&#39; hingeschrieben"></p>

<p>Sicherlich beleidigend gemeint, allerdings entlockte es mir bei dem Anblick doch ein kleines “Hell Yeah!”. Ich wünschte, Frankfurt wäre so schwul, wie es dieses Graffiti impliziert.</p>

<p>Derartig den Rücken gestärkt machte ich mich auf den Weg zum Stadion, der vom Andernacher Bahnhof übrigens tatsächlich über den Kurfürstendamm führt. Den gibt es nicht nur in Berlin!, sondern auch in der Weltstadt Andernach. Zeit, um mir etwas zu essen zu holen, war auch noch, also holte ich mir beim erstbesten Dönerladen eine Pizza und aß sie auf der nächstbesten Bank. Meine Ansprüche waren gering: Weil in Frankfurt sonntags um 11 anscheinend nur im Nordend Bäckereien geöffnet haben, hatte ich noch nicht gefrühstückt. Nach dem Essen dann einfach weiter geradeaus zum Stadion.</p>

<h2 id="der-actual-hopper-part-worüber-habe-ich-hier-bisher-überhaupt-geredet" id="der-actual-hopper-part-worüber-habe-ich-hier-bisher-überhaupt-geredet">Der actual Hopper-Part. Worüber habe ich hier bisher überhaupt geredet?</h2>

<p>Das Stadion Andernach ist etwas außerhalb der Stadt hinter einer Unterführung ziemlich gut versteckt hinter einigen Bäumen. Meine Gedanken, als ich in die Nähe des Stadions kam gingen in die Richtung <em>Irgendwo hier müsste es dann sein</em> und <em>Vielleicht hätte ich vorher fragen sollen, wie man herkommt?</em> Beschildert ist auf jeden Fall nichts, auch wenn dann irgendwann das Gitter zum Eingangsbereich sichtbar wurde. Ein paar Leuten konnte ich immerhin auch folgen, um den Weg zu finden – eine Taktik, die sich bei bisherigen Stadionbesuchen eigentlich immer bewährt hatte, diesmal allerdings an seine Grenzen stieß, da der Publikumsverkehr vor dem Stadion bei meiner Ankunft noch vergleichsweise gering war.</p>

<p>Trotz alledem fand ich meinen Weg auf das Stadiongelände, zahlte meine 4€ Eintritt (ermäßigt, Vollpreis 6€), holte mir direkt neben der Kasse an einem kleinen Stand, der nur Getränke verkaufte, eine Afri-Cola (2€ plus 50 Cent Pfand) und stand nun in einem für das Publikum völlig überdimensionierten Stadion. Für knapp 15.000 Leute ist das Stadion Andernach ausgelegt, alles Stehplätze auf einem Grashügel.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/stadionandernach.jpg" alt="Im Vordergrund eine Eintrittskarte für das Heimspiel der SG Andernach Frauen gegen die Zweitvertretung der Eintracht. Im Hintergrund das Stadion Andernach. Viel Grün."></p>

<p>Nur die Gegentribüne hat ein paar Stufen, eine historische Holztribüne auf Seiten der Trainer*innenbänke, die immerhin knapp 100 Leuten Platz bieten würde, ist aus sicherheitstechnischen Gründen komplett geschlossen. Ein Großteil der Fans sammelt sich so um das Mundloch am Eingang des Stadions, wobei einige <em>Superfans</em> sich tatsächlich auf der anderen Seite des Stadions niedergelassen hatten und dort auch Nutzen von Trommel und Megaphon machten.</p>

<p>Das Essen kann ich leider nicht beurteilen, da ich satt am Stadion ankam, allerdings habe ich auch nur die standardmäßige Stadionwurst gesehen. Dementsprechend ist es gut möglich, dass ich als Vegetarierin ohnehin keinen Erfahrungsbericht hätte geben können. Ich weiß schon, warum ich vorher gegessen hab.</p>

<p>Das Spiel selbst wurde von den Bäckermädchen bestimmt, die die Eintracht über weite Strecken gut im Griff hatten. In der 39. fiel dann das verdiente 1:0 durch Carolin Schraa, die mit einem technisch starken Dribbling auf der rechten Seite Emily Wallrabenstein ziemlich alt aussehen ließ und den Ball dann von dort einschieben konnte – ihr neuntes Saisontor. Auch wenn durch die unheimlich kratzigen und von meiner Position aus kaum verständlichen Stadionlautsprecher erstmal Leonie Stöhr als Torschützin verkündet wurde.</p>

<p>Auch sonst spielten sich die Bäckermädchen einige Chancen heraus, gerade Standards kamen auch oft sehr gefährlich. Mit 1:0 ging es dann in die Pause. Ein weiteres Tor fiel in der 80. durch Kathrin Schermuly, was den Sieg für die Andernacherinnen perfekt machte. Ich sah hier eine absolut solide, reife Mannschaft, die technisch stark gegen die zugegebenermaßen recht jungen Spielerinnen der Frankfurter Zweitvertreterinnen aufgetreten sind.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/endstandandernach.jpg" alt="Eine LED-Tafel am Funktionsgebäude des Stadion Andernach zeigt den Endstand: 2:0 für die Bäckermädchen."></p>

<p>Nach dem Spiel kann ich absolut verstehen, warum sie die 2. Liga seit einiger Zeit so aufmischen – umso trauriger ist es, dass die sportliche Leistung nicht mit einem Aufstieg belohnt werden kann. Honoriert werden die Bäckermädchen dafür immerhin mit einem ansehnlichen Zuschauer*innenschnitt: 394 Menschen sahen dieses Spiel. Hier dürfte zwar der Gegner einiges ausgemacht haben, da ich in Andernach selbst auch den ein oder anderen Eintracht-Adler gesehen habe und auch im Stadion hier und da mal ein SGE-Trikot aufblitzte. Allerdings ist das trotzdem im oberen Drittel was das öffentliche Interesse in der 2. Frauen-Bundesliga angeht. Und an einem guten Tag könnte man mit 394 Zutritten auch dem ein oder anderen Bundesligisten die Show stehlen.</p>

<p>Gerade der direkte Vergleich zu Bayer Leverkusen am Vortag drängt sich hier auf; bei den beiden Toren der Werkself war es im Stadion wirklich mucksmäuschenstill. Das war in Andernach anders. Dafür war die Stimmung abseits von konkreten Ballaktionen eher ruhig. Allemal das kleine Grüppchen auf Seiten der Trainer*innenbank war hier und da mal, dank Megaphon sogar recht deutlich, zu hören. Das hatte zwar einen Hang zur Rückkopplung nach jedem Satz, der Sprecher wurde allerdings trotzdem nicht müde, Prachtstücke wie “Los Julia, du kannst es ja!” und “Komm Caro, mach uns alle froh!” verlautbaren zu lassen. Auch der ein oder andere repetitive “An-Der-Nach! An-Der-Nach!”-Gesang wurde angestimmt und, zur Freude des Sprechers, von einigen Kindern auf Seiten des Mundlochs vorsichtig erwidert. Der Versuch, besagte Kinder mit einem beherzten “Und jetzt Alle!” zu weiteren Gesängen zu lenken war allerdings zum Scheitern verurteilt. Ich hoffe, dass sich hier noch ein bisschen was entwickeln kann. Die 2. Frauen-Bundesliga wird hoffentlich in den kommenden Jahren nur noch interessanter und die SG Andernach hätte eine, zumindest dem Umfeld angemessene, Fanszene verdient.</p>

<p>Denn es war schon etwas auffällig, wie wenig der sehr gute Fußball, der hier gespielt wird, sich im Stadtbild von Andernach wiederfindet. Bei den Männern reicht es, einen unterdurchschnittlich performenden Regionalligisten in der Stadt haben, damit die gesamte Innenstadt mit Stickern zugekleistert ist. In Andernach, wo die Frauen aktuell an der Tabellenspitze sind, streiten sich der 1. FC Köln, TuS Koblenz und Eintracht Frankfurt um das Sticker-Vorrecht an den Laternenpfählen. Auch hier: Schade! Mit etwas mehr Rückhalt aus der Region und vielleicht ein bisschen Appeal zur Jugend statt zu Rentner*innen und jungen Familien sehe ich hier großes Potenzial.</p>

<h2 id="aftermath" id="aftermath">Aftermath</h2>

<p>Woher ich das mit dem unterdurchschnittlichen Regionalligisten habe, kann ich auch direkt sagen. Denn nach dem Spiel hatte ich mir noch etwas Zeit eingeplant, bis ich in den ICE zurück nach Frankfurt gestiegen bin, um was-auch-immer zu machen. Da mein Zug in Koblenz fuhr und die Stadt touristisch doch noch etwas mehr zu bieten hat als Andernach, bin ich in den nächsten Regio dorthin gestiegen – interessanterweise der gleiche Regio, der mich auch hergebracht hatte. Ausgestiegen in Koblenz-Stadtmitte bin ich dann noch ein bisschen durch die Fußgängerzone geschlendert, denn mich dürstete es nach Bubble Tea. Den hätte ich zwar auch in Andernach bekommen können, doch das Geschäft welches sich zwischen Stadion und Bahnhof befindet, hat leider sonntags zu. So viel also zu dem Plan, rund um den Stadionbesuch die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Tja.</p>

<p>Meinen Bubble Tea habe ich trotzdem bekommen, und ihn dann sogar mit Blick aufs Deutsche Eck trinken können. Das ist genau der Touri-Shit, den ich auf solchen Auswärtsfahrten machen möchte. Einfach head empty in Richtung der nächsten Sehenswürdigkeit laufen und <em>konsumieren</em>.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/boboq.jpg" alt="Ein Bubble Tea. Im Hintergrund ist das Deutsche Eck zu sehen."></p>

<p>Den Bubble Tea <em>konsumiert</em> machte ich mich dann langsam auf den Weg Richtung Hauptbahnhof. Praktischerweise fuhr direkt vom Deutschen Eck ein Bus dorthin. Der fährt zwar nur einmal pro Stunde, allerdings war ich ein bisschen lucky mit dem Timing und musste nur knappe fünf Minuten warten. Sogar Zeit zum Innehalten war noch, den auf dem Weg dorthin sah ich ein Straßenschild, das ich nicht ignorieren konnte.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/estherbejaranokoblenz.jpg" alt="Straßenschild &#39;Danziger Freiheit&#39; ist durchgestrichen, darunter hängt ein Schild auf dem &#39;Esther-Bejarano-Straße&#39; geschrieben steht."></p>

<p>Mit viel zu viel Zeit kam ich am Koblenzer Hauptbahnhof an, konnte noch ausgiebig den dort befindlichen Bahnhofsbuchladen inspizieren und auch noch einige Seiten lesen, bevor dann mein ICE einfuhr. Natürlich mit Verspätung. Insgesamt allerdings ein absolut gelungener Tag in Andernach und Koblenz. Bisher noch die schönste Groundhopping-Tour. Da lässt sich die Auswärtsniederlage für unsere zweite Mannschaft absolut verschmerzen – wobei das auch damit zusammenhängen könnte, dass Zweitvertretungen meiner Meinung nach nicht in die Liga gehören. Nun ja, für dieses Mal war ich froh, einen Anlass gehabt zu haben.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/auswarts-bei-der-sg-andernach</guid>
      <pubDate>Sun, 14 Apr 2024 21:27:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Zum Begriff des Feministischen Kampftages</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/zum-begriff-des-feministischen-kampftages</link>
      <description>&lt;![CDATA[Heute ist der 8. März 2024. Viele bezeichnen diesen Tag als »Weltfrauentag« – andere als »Feministischen Kampftag«. Dazwischen besteht ein Unterschied.&#xA;&#xA;Ein Foto von bell hooks vor neutralem Hintergrund, mit einem Mikrofon in der Hand&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ich persönlich begrüße den Begriff des Feministischen Kampftages. Denn er bringt zum Ausdruck, dass dieser Tag nicht nur ein Tag zum zelebrieren des Werkes von Frauen in der Geschichte und ihren Kämpfen in der Gegenwart ist, sondern auch ein Tag, an dem man darüber reden kann, was eigentlich ein feministischer Kampf ist – und warum auch Männer dazugehören.&#xA;&#xA;Beim Scrollen auf Twitter, oftmals fälschlicherweise X genannt, wurde mir dieser Tweet auf die Timeline gespült:&#xA;&#xA;Tweet von @Fianna_Saoirse: &#34;Ich möchte das nochmal betonen: Der internationale Kampftag ist für Frauen da. Nicht für Männer. Und bevor ich jetzt umschmeichelnde TERF DMs bekomme: trans Frauen sind Frauen.&#34;&#xA;&#xA;Dazu habe ich, auch auf Twitter, recht deutliche Worte gefunden, die ich auch hier nochmal kurz wiedergeben und etwas weiter ausführen möchte:&#xA;&#xA;Du kannst nicht Kampftag sagen und dann sagen, dass er nicht für alle ist.&#xA;&#xA;Dann sag halt Frauentag. Die Idee des Begriffs »Feministischer Kampftag« ist, einen Tag dem Kampf gegen das Patriarchat zu widmen. Auch Männer sind vom Patriarchat negativ betroffen, gehören deswegen auch dazu wenn man schon von einem Kampftag spricht.&#xA;&#xA;Männern wird oft kein gesunder Umgang mit ihren Emotionen beigebracht. Aggression, Wut, auch oft körperliche Gewalt wird als normal, als Boys will be Boys angesehen. Weinen ist nur erlaubt, wenn die eigene Fußballmannschaft eine besonders bedeutsame Niederlage in Kauf nehmen muss, und wird auch dann als etwas besonderes angesehen. Dabei kann Weinen auch in Alltagssituationen eine unheimliche Katharsis bringen. Auch die Kommunikation über die eigenen Emotionen kommt oft zu kurz. Das führt dazu, dass Männer ihre Bedürfnisse nicht äußern können und sich Emotionen aufstauen, bis sie sich in ungesunden (für die Männer selbst und oftmals auch für Beteiligte) Ausbrüchen entladen. Kommunikation und das Erkennen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse sind erlernte Fähigkeiten, keine natürlichen Gegebenheiten.&#xA;&#xA;Sexuelle Belästigung an Männern, aber auch und insbesondere an Jungen, durch Frauen wird oftmals bagatellisiert. Die hier entstandenen Traumata können kaum aufgearbeitet werden, wenn man von allen Seiten hört, dass man sich doch gefälligst glücklich schätzen soll, die Aufmerksamkeit einer Frau bekommen zu haben. Auch Gewalt in Beziehungen durch Frauen an Männern wird oftmals belächelt. Es besteht keine Frage darüber, wie hier die Verteilung ist: Das Gros der körperlichen Gewalt in Beziehungen wird von Männern an Frauen verübt. Aber auch für die umgekehrte Perspektive muss Platz sein, um für Betroffene einen Heilungsprozess zu ermöglichen.&#xA;&#xA;Männer müssen oft in ein sehr enges Bild von heteronormativer Männlichkeit passen. Makeup, Schmuck, mal ein Kleid oder High Heels tragen – selbst die falschen Hobbies können dafür sorgen, dass man sich in seinem Freundeskreis zum Gespött macht. Diese Rollenbilder werden vielleicht nicht von den Eltern, aber doch oft genug vom sozialen Umfeld in der Schule sehr früh an Jungen und junge Männer weitergegeben. Die Überwindung kostet viel Kraft, falls sie überhaupt geschieht, und sie zwängt Jungen und Männer in ein Rollenbild, das für sie vielleicht gar nicht passend ist.&#xA;&#xA;All das sind negative Effekte des Patriarchats, die auch Männer erleben und die für sie und die Menschen in ihrem Umfeld schwerwiegende Folgen haben können. Viele Männer haben allerdings gar kein Bewusstsein dafür, was die negativen Auswirkungen des Patriarchats auf sie sind, oder wollen sie auch teilweise gar nicht wahrhaben. Teil eines empathischen Feminismus, eines Feminismus der dem Begriff des »Feministischen Kampftag« gerecht wird ist, auch Männer einzubeziehen und ihnen aufzuzeigen, dass sie durch den Feminismus auch einen Gewinn haben. Denn der Feminismus ist der Kampf gegen das Patriarchat und nicht der Kampf gegen Männer.&#xA;&#xA;Further reading: Feminismus für Alle von bell hooks, auf Deutsch im Unrast Verlag. Wenn wir uns kennen leihe ich das Buch auch gerne aus. Ist sehr aufschlussreich. 😉&#xA;&#xA;Edit: Ich wurde darauf hingewiesen, dass trans Männer natürlich auch FLINTA* sind. Auch das gehört zu einer Betrachtung des Feministischen Kampftages dazu – allein deswegen wäre es anmaßend, diesen Tag zu einem Tag ausschließlich für Frauen zu erklären. Vielen Dank für die Richtigstellung!&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="heute-ist-der-8-märz-2024-viele-bezeichnen-diesen-tag-als-weltfrauentag-andere-als-feministischen-kampftag-dazwischen-besteht-ein-unterschied" id="heute-ist-der-8-märz-2024-viele-bezeichnen-diesen-tag-als-weltfrauentag-andere-als-feministischen-kampftag-dazwischen-besteht-ein-unterschied">Heute ist der 8. März 2024. Viele bezeichnen diesen Tag als »Weltfrauentag« – andere als »Feministischen Kampftag«. Dazwischen besteht ein Unterschied.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/Copy-of-DSC_0224-1024x683.jpg" alt="Ein Foto von bell hooks vor neutralem Hintergrund, mit einem Mikrofon in der Hand" title="Ich hoffe, bell hooks wäre stolz auf mich"></p>



<p>Ich persönlich begrüße den Begriff des Feministischen Kampftages. Denn er bringt zum Ausdruck, dass dieser Tag nicht <em>nur</em> ein Tag zum zelebrieren des Werkes von Frauen in der Geschichte und ihren Kämpfen in der Gegenwart ist, sondern auch ein Tag, an dem man darüber reden kann, was eigentlich ein feministischer Kampf ist – und warum auch Männer dazugehören.</p>

<p>Beim Scrollen auf Twitter, oftmals fälschlicherweise X genannt, wurde mir <a href="https://twitter.com/Fianna_Saoirse/status/1766083188152021283">dieser Tweet</a> auf die Timeline gespült:</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/feministischerkampftag.png" alt="Tweet von @Fianna_Saoirse: &#34;Ich möchte das nochmal betonen: Der internationale Kampftag ist für Frauen da. Nicht für Männer. Und bevor ich jetzt umschmeichelnde TERF DMs bekomme: trans Frauen sind Frauen.&#34;"></p>

<p>Dazu habe ich, auch auf Twitter, recht deutliche Worte gefunden, die ich auch hier nochmal kurz wiedergeben und etwas weiter ausführen möchte:</p>

<p><strong>Du kannst nicht Kampftag sagen und dann sagen, dass er nicht für alle ist.</strong></p>

<p>Dann sag halt Frauentag. Die Idee des Begriffs »Feministischer Kampftag« ist, einen Tag dem Kampf gegen das Patriarchat zu widmen. Auch Männer sind vom Patriarchat negativ betroffen, gehören deswegen auch dazu wenn man schon von einem Kampftag spricht.</p>

<p>Männern wird oft kein gesunder Umgang mit ihren Emotionen beigebracht. Aggression, Wut, auch oft körperliche Gewalt wird als normal, als <em>Boys will be Boys</em> angesehen. Weinen ist nur erlaubt, wenn die eigene Fußballmannschaft eine besonders bedeutsame Niederlage in Kauf nehmen muss, und wird auch dann als etwas besonderes angesehen. Dabei kann Weinen auch in Alltagssituationen eine unheimliche Katharsis bringen. Auch die Kommunikation über die eigenen Emotionen kommt oft zu kurz. Das führt dazu, dass Männer ihre Bedürfnisse nicht äußern können und sich Emotionen aufstauen, bis sie sich in ungesunden (für die Männer selbst und oftmals auch für Beteiligte) Ausbrüchen entladen. Kommunikation und das Erkennen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse sind erlernte Fähigkeiten, keine natürlichen Gegebenheiten.</p>

<p>Sexuelle Belästigung an Männern, aber auch und insbesondere an Jungen, durch Frauen wird oftmals bagatellisiert. Die hier entstandenen Traumata können kaum aufgearbeitet werden, wenn man von allen Seiten hört, dass man sich doch gefälligst glücklich schätzen soll, die Aufmerksamkeit einer Frau bekommen zu haben. Auch Gewalt in Beziehungen durch Frauen an Männern wird oftmals belächelt. Es besteht keine Frage darüber, wie hier die Verteilung ist: Das Gros der körperlichen Gewalt in Beziehungen wird von Männern an Frauen verübt. Aber auch für die umgekehrte Perspektive muss Platz sein, um für Betroffene einen Heilungsprozess zu ermöglichen.</p>

<p>Männer müssen oft in ein sehr enges Bild von heteronormativer Männlichkeit passen. Makeup, Schmuck, mal ein Kleid oder High Heels tragen – selbst die falschen Hobbies können dafür sorgen, dass man sich in seinem Freundeskreis zum Gespött macht. Diese Rollenbilder werden vielleicht nicht von den Eltern, aber doch oft genug vom sozialen Umfeld in der Schule sehr früh an Jungen und junge Männer weitergegeben. Die Überwindung kostet viel Kraft, falls sie überhaupt geschieht, und sie zwängt Jungen und Männer in ein Rollenbild, das für sie vielleicht gar nicht passend ist.</p>

<p>All das sind negative Effekte des Patriarchats, die auch Männer erleben und die für sie und die Menschen in ihrem Umfeld schwerwiegende Folgen haben können. Viele Männer haben allerdings gar kein Bewusstsein dafür, was die negativen Auswirkungen des Patriarchats auf sie sind, oder wollen sie auch teilweise gar nicht wahrhaben. Teil eines empathischen Feminismus, eines Feminismus der dem Begriff des »Feministischen Kampftag« gerecht wird ist, auch Männer einzubeziehen und ihnen aufzuzeigen, dass sie durch den Feminismus auch einen Gewinn haben. Denn der Feminismus ist der Kampf gegen das Patriarchat und nicht der Kampf gegen Männer.</p>

<p>Further reading: <a href="https://unrast-verlag.de/produkt/feminismus-fuer-alle/">Feminismus für Alle</a> von bell hooks, auf Deutsch im Unrast Verlag. Wenn wir uns kennen leihe ich das Buch auch gerne aus. Ist sehr aufschlussreich. 😉</p>

<p><strong>Edit:</strong> Ich wurde <a href="https://troet.cafe/@cyris/112061255499378000">darauf hingewiesen</a>, dass trans Männer natürlich auch FLINTA* sind. Auch das gehört zu einer Betrachtung des Feministischen Kampftages dazu – allein deswegen wäre es anmaßend, diesen Tag zu einem Tag ausschließlich für Frauen zu erklären. Vielen Dank für die Richtigstellung!</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/zum-begriff-des-feministischen-kampftages</guid>
      <pubDate>Fri, 08 Mar 2024 16:59:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Videospiel-Rezension: Atlas Fallen</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/videospiel-rezension-atlas-fallen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Einige meiner Gedanken, nachdem ich das neueste Spiel von Deck13 Entertainment gerade beendet habe.&#xA;&#xA;Nyaal, das göttliche Wesen im Gauntlet des Spielers, steht vor einer schönen Landschaft und sagt: &#39;Ich bin schon so lange hier. Eingesperrt. Gequält. Beobachtet.&#39;&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ich muss ganz ehrlich sein, mich reizte an Atlas Fallen von Anfang an das Mittelmaß – und vielleicht der Sand. Denn bereits im ersten Trailer des neuen Action-Rollenspiels von Deck13 Entertainment wurde klar, dass es sich hier um ein AA-Game handelt. Etwas mehr als ein Indie-Spiel, aber eben auch nicht genug Ressourcen, um den Titel AAA zu verdienen. Gute Ideen können auf dieser Ebene zu Spielen verarbeitet werden, die zwar Unterhaltung bieten, einen allerdings auch nicht unbedingt vom Hocker hauen. Genau die Erwartungen hat das Spiel für mich erfüllt.&#xA;&#xA;Um mal kurz einen Crash-Kurs zu geben, worum es in dem Spiel eigentlich geht: Man wird als Namenloser (eine Klasse von Menschen mit ähnlichen Rechten wie Sklaven) in die Wüste geschickt und findet dort einen Gauntlet, der magische Kräfte besitzt... und aus irgendeinem Grund mit einem redet. Dieser Gauntlet gibt einem einige Fähigkeiten, die Normalsterbliche sonst nicht haben. Dazu gehört einerseits das sehr smoothe und spaßige Sandgleiten, mit dem man sich durch die Spielwelt bewegen kann, andererseits aber auch einige Kampffähigkeiten, mit denen man als einzige sterbliche Person effektiv die Sandphantome bekämpfen kann, die ihr Unwesen in der Spielwelt treiben. Natürlich kann man diesen Gauntlet im Laufe des Spiels auch upgraden und mit einigen Essenzsteinen versehen, die quasi passive und aktive Fähigkeiten sind, um einem das Leben zu vereinfachen. Würde man Kritik üben wollen, könnte man tatsächlich am ehesten anbringen, dass es davon zu viele gibt. Am Ende hatte ich mehrere Dutzend verschiedene Fähigkeiten freigeschaltet, von denen ich nur einen Bruchteil auch nur länger angeschaut, geschweige denn benutzt habe.&#xA;&#xA;Eine Story gibt es in Atlas Fallen auch, die ist allerdings kaum der Rede wert und eigentlich nur ein Vehikel, um Spieler\innen durch die Spielwelt zu treiben und zum nächsten Gauntlet-Upgrade oder Kampf zu leiten. Keiner der Charaktere – der wortwörtlich namenlose Protagonist erst recht nicht – hat irgendeine interessante Charakterentwicklung oder auch nur eine spannende Prämisse. Dabei hilft nicht, dass Nyaal – die Stimme aus dem Gauntlet – mitunter etwas launisch, zumindest aber nebulös in seinen Andeutungen ist. Storytechnisch wird das dadurch erklärt, dass er selbst erst seine Erinnerungen erstmal zurückgewinnen muss und nebenbei auch ein jahrtausendealtes Gotteswesen ist. Nervig ist es allerdings trotzdem.&#xA;&#xA;Aber all das ist mehr oder weniger Nebensache; Ziel des Spiels ist schließlich, Spieler\innen möglichst viel metzeln zu lassen. Dank der sehr dynamischen Bewegungs- und Kampfmechaniken würde ich Atlas Fallen in diesem Gebiet auch tatsächlich einen Erfolg attestieren. Und zwar lädt man durch Treffer an Gegnern eine Momentum-Leiste auf, die einem ermöglicht, mehr Schaden anzurichten und die oben angesprochenen Essenzsteine zu aktivieren. Das kommt mit dem Preis, dass man mit aufgeladener Momentum-Leiste auch einiges mehr an Schaden nimmt. So bietet das Spiel in jedem Kampf ein kleines Minigame bestehend aus dem Management des eigenen Momentums. In Kombination mit der sehr nachgiebigen Parier-Mechanik und den kleinen Luftsprints, die man zum Ausweichen und zum Überwinden der Distanz zu ferneren Gegnern benutzen kann, ist das Kampfsystem weitgehend zufriedenstellend, was das Spiel insgesamt recht kurzweilig macht.&#xA;&#xA;Allerdings gibt es, neben der Handlung, auch einige weitere Mankos, die zu berücksichtigen sind. Zum einen lässt die deutsche Synchronfassung rein technisch einiges zu wünschen übrig. Die Synchronsprecher*innen bieten zwar nicht unbedingt Blockbuster-Feeling, sind aber immerhin passabel. Etwas unschön wird es allerdings, wenn einzelne Zeilen in der Hauptquest allerdings überhaupt nicht vertont zu sein scheinen oder vor dem Ende des Satzes abgebrochen werden – wohl, weil der Satz in der englischen Fassung kürzer ist. Hier merkt man, dass die deutsche Fassung von Deck13 etwas hektisch entstanden ist; ursprünglich war sie gar nicht eingeplant, das Spiel wurde sogar verschoben, um diese auf die große Nachfrage der Community hin noch einzupflegen.&#xA;&#xA;Einige Bugs sind mir auf meiner Reise durch die Spielwelt auch begegnet, allerdings waren die nie so störend, dass sie mein Spielerlebnis nachhaltig beeinträchtigt hätten. Das einzige, was wirklich störend war, waren die Kampfareale für Elitegegner. Diese sind teilweise nicht direkt ersichtlich und so ist es mir das ein ums andere Mal passiert, dass ich in einem etwas länger anhaltenden Kampf unwissentlich das Areal verlassen habe, worauf Gegner despawned sind und ich den Kampf nochmal von vorne beginnen musste. Ein visueller Indikator in irgendeiner Form wäre hier praktisch gewesen. Auch ist das Level-Design insbesondere, wenn es um Vertikalität geht oftmals etwas unhandlich. Es passierte mir öfter als ich zugeben möchte, dass ich schlicht nicht wusste, wie ich an einen hoch gelegenen Ort komme, weil der Weg dorthin nicht direkt ersichtlich war. Das ist schade.&#xA;&#xA;Doch auch all das berücksichtigt macht das schlichte Draufhauen auf Sandmonster einfach Spaß. Die Gegnervielfalt ist auch zufriedenstellend. Am Ende kennt man zwar alle Gegnertypen und ihre Angriffe gut genug, um damit ohne ins Schwitzen zu kommen umzugehen und gerade die kleineren Adds sind maximal eine billige Momentumquelle – aber das Spiel bietet eine Menge verschiedener Gegnertypen an, die alle ihre Eigenheiten haben und mitunter auch besondere Herausforderungen bilden. Für die versprochenen 15-20 Spielstunden sind es allemal genug verschiedene Gegnertypen, um das Aufkommen von Langeweile zu verhindern. So war Atlas Fallen insgesamt ein zufriedenstellendes Spielerlebnis, auch wenn ich dringend davon abraten würde, das Spiel im Vollpreis zu kaufen. Dafür hat es schlicht und ergreifend zu viele Macken. Für 20€, für die es beim Schreiben dieses Posts beispielsweise auch auf Steam im Sale ist, lohnt es sich allerdings allemal.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="einige-meiner-gedanken-nachdem-ich-das-neueste-spiel-von-deck13-entertainment-gerade-beendet-habe" id="einige-meiner-gedanken-nachdem-ich-das-neueste-spiel-von-deck13-entertainment-gerade-beendet-habe">Einige meiner Gedanken, nachdem ich das neueste Spiel von Deck13 Entertainment gerade beendet habe.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/nyaal.jpg" alt="Nyaal, das göttliche Wesen im Gauntlet des Spielers, steht vor einer schönen Landschaft und sagt: &#39;Ich bin schon so lange hier. Eingesperrt. Gequält. Beobachtet.&#39;"></p>



<p>Ich muss ganz ehrlich sein, mich reizte an Atlas Fallen von Anfang an das Mittelmaß – und vielleicht der Sand. Denn bereits im ersten Trailer des neuen Action-Rollenspiels von Deck13 Entertainment wurde klar, dass es sich hier um ein AA-Game handelt. Etwas mehr als ein Indie-Spiel, aber eben auch nicht genug Ressourcen, um den Titel AAA zu verdienen. Gute Ideen können auf dieser Ebene zu Spielen verarbeitet werden, die zwar Unterhaltung bieten, einen allerdings auch nicht unbedingt vom Hocker hauen. Genau die Erwartungen hat das Spiel für mich erfüllt.</p>

<p>Um mal kurz einen Crash-Kurs zu geben, worum es in dem Spiel eigentlich geht: Man wird als Namenloser (eine Klasse von Menschen mit ähnlichen Rechten wie Sklaven) in die Wüste geschickt und findet dort einen Gauntlet, der magische Kräfte besitzt... und aus irgendeinem Grund mit einem redet. Dieser Gauntlet gibt einem einige Fähigkeiten, die Normalsterbliche sonst nicht haben. Dazu gehört einerseits das sehr smoothe und spaßige Sandgleiten, mit dem man sich durch die Spielwelt bewegen kann, andererseits aber auch einige Kampffähigkeiten, mit denen man als einzige sterbliche Person effektiv die Sandphantome bekämpfen kann, die ihr Unwesen in der Spielwelt treiben. Natürlich kann man diesen Gauntlet im Laufe des Spiels auch upgraden und mit einigen Essenzsteinen versehen, die quasi passive und aktive Fähigkeiten sind, um einem das Leben zu vereinfachen. Würde man Kritik üben wollen, könnte man tatsächlich am ehesten anbringen, dass es davon zu viele gibt. Am Ende hatte ich mehrere Dutzend verschiedene Fähigkeiten freigeschaltet, von denen ich nur einen Bruchteil auch nur länger angeschaut, geschweige denn benutzt habe.</p>

<p>Eine Story gibt es in Atlas Fallen auch, die ist allerdings kaum der Rede wert und eigentlich nur ein Vehikel, um Spieler*innen durch die Spielwelt zu treiben und zum nächsten Gauntlet-Upgrade oder Kampf zu leiten. Keiner der Charaktere – der wortwörtlich namenlose Protagonist erst recht nicht – hat irgendeine interessante Charakterentwicklung oder auch nur eine spannende Prämisse. Dabei hilft nicht, dass Nyaal – die Stimme aus dem Gauntlet – mitunter etwas launisch, zumindest aber nebulös in seinen Andeutungen ist. Storytechnisch wird das dadurch erklärt, dass er selbst erst seine Erinnerungen erstmal zurückgewinnen muss und nebenbei auch ein jahrtausendealtes Gotteswesen ist. Nervig ist es allerdings trotzdem.</p>

<p>Aber all das ist mehr oder weniger Nebensache; Ziel des Spiels ist schließlich, Spieler*innen möglichst viel metzeln zu lassen. Dank der sehr dynamischen Bewegungs- und Kampfmechaniken würde ich Atlas Fallen in diesem Gebiet auch tatsächlich einen Erfolg attestieren. Und zwar lädt man durch Treffer an Gegnern eine Momentum-Leiste auf, die einem ermöglicht, mehr Schaden anzurichten und die oben angesprochenen Essenzsteine zu aktivieren. Das kommt mit dem Preis, dass man mit aufgeladener Momentum-Leiste auch einiges mehr an Schaden nimmt. So bietet das Spiel in jedem Kampf ein kleines Minigame bestehend aus dem Management des eigenen Momentums. In Kombination mit der sehr nachgiebigen Parier-Mechanik und den kleinen Luftsprints, die man zum Ausweichen und zum Überwinden der Distanz zu ferneren Gegnern benutzen kann, ist das Kampfsystem weitgehend zufriedenstellend, was das Spiel insgesamt recht kurzweilig macht.</p>

<p>Allerdings gibt es, neben der Handlung, auch einige weitere Mankos, die zu berücksichtigen sind. Zum einen lässt die deutsche Synchronfassung rein technisch einiges zu wünschen übrig. Die Synchronsprecher*innen bieten zwar nicht unbedingt Blockbuster-Feeling, sind aber immerhin passabel. Etwas unschön wird es allerdings, wenn einzelne Zeilen in der Hauptquest allerdings überhaupt nicht vertont zu sein scheinen oder vor dem Ende des Satzes abgebrochen werden – wohl, weil der Satz in der englischen Fassung kürzer ist. Hier merkt man, dass die deutsche Fassung von Deck13 etwas hektisch entstanden ist; ursprünglich war sie gar nicht eingeplant, <a href="https://www.gamestar.de/videos/atlas-fallen-erfuellt-den-groessten-wunsch-deutscher-spieler-aber-das-hat-seinen-preis,124271.html">das Spiel wurde sogar verschoben</a>, um diese auf die große Nachfrage der Community hin noch einzupflegen.</p>

<p>Einige Bugs sind mir auf meiner Reise durch die Spielwelt auch begegnet, allerdings waren die nie so störend, dass sie mein Spielerlebnis nachhaltig beeinträchtigt hätten. Das einzige, was wirklich störend war, waren die Kampfareale für Elitegegner. Diese sind teilweise nicht direkt ersichtlich und so ist es mir das ein ums andere Mal passiert, dass ich in einem etwas länger anhaltenden Kampf unwissentlich das Areal verlassen habe, worauf Gegner despawned sind und ich den Kampf nochmal von vorne beginnen musste. Ein visueller Indikator in irgendeiner Form wäre hier praktisch gewesen. Auch ist das Level-Design insbesondere, wenn es um Vertikalität geht oftmals etwas unhandlich. Es passierte mir öfter als ich zugeben möchte, dass ich schlicht nicht wusste, wie ich an einen hoch gelegenen Ort komme, weil der Weg dorthin nicht direkt ersichtlich war. Das ist schade.</p>

<p>Doch auch all das berücksichtigt macht das schlichte Draufhauen auf Sandmonster einfach Spaß. Die Gegnervielfalt ist auch zufriedenstellend. Am Ende kennt man zwar alle Gegnertypen und ihre Angriffe gut genug, um damit ohne ins Schwitzen zu kommen umzugehen und gerade die kleineren Adds sind maximal eine billige Momentumquelle – aber das Spiel bietet eine Menge verschiedener Gegnertypen an, die alle ihre Eigenheiten haben und mitunter auch besondere Herausforderungen bilden. Für die versprochenen 15-20 Spielstunden sind es allemal genug verschiedene Gegnertypen, um das Aufkommen von Langeweile zu verhindern. So war Atlas Fallen insgesamt ein zufriedenstellendes Spielerlebnis, auch wenn ich dringend davon abraten würde, das Spiel im Vollpreis zu kaufen. Dafür hat es schlicht und ergreifend zu viele Macken. Für 20€, für die es beim Schreiben dieses Posts beispielsweise auch <a href="https://store.steampowered.com/app/1230530/Atlas_Fallen/">auf Steam im Sale ist</a>, lohnt es sich allerdings allemal.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://dxcibel.cyou/videospiel-rezension-atlas-fallen</guid>
      <pubDate>Wed, 06 Mar 2024 00:08:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>2023 war viel</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/2023-war-viel</link>
      <description>&lt;![CDATA[Manche würden sagen, wer am 31. Dezember Zeit hat, um zu bloggen, der macht etwas falsch. Meiner Meinung nach ist es aber genau richtig.&#xA;&#xA;Spiegelselfie in einem Prager Hotelzimmer, ich trage Dienstkleidung und halte meine Akkreditierung hoch&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Denn wie könnte man das Jahr besser ausklingen lassen, als beim besinnlichen Schreiben eines Blogposts. Und dabei handelt es sich hier gleich um einen doppelten Anschlag: In diesem Post werde ich den Jahresendfragebogen in Verbindung mit Katalogisierung von Kulturkonsum beleuchten, wie ich ihn anderswo gesehen habe, allerdings so angepasst, dass es für mich interessant bleibt. In einem zweiten Post werde ich dann das machen, was mittlerweile ein wenig Tradition geworden ist: Meine Top 25 Künstlerinnen des Jahres auf Last.fm zusammenklauben und so das Jahr musikalisch Revue passieren lassen. So viel schon mal vorweg: Ein sonderlich musikalisches Jahr war 2023 für mich nicht.&#xA;&#xA;Fragebogen&#xA;&#xA;1. Zugenommen oder abgenommen?&#xA;&#xA;Zugenommen. Definitiv. Ich wiege mich eher selten, aber es ist definitiv merkbar. Grund dafür ist allerdings eher erfreulich: Die geschlechtsangleichende Hormontherapie verlangsamt meinen Stoffwechsel, weshalb ich nicht unbedingt mehr essen muss, um mehr zu wiegen. So also quasi Gewicht für mentale Gesundheit eingetauscht. Würde ich wieder machen.&#xA;&#xA;2. Haare länger oder kürzer?&#xA;&#xA;Kürzer, und das finde ich auch gut so. Im Juni, vor dem DFB-Pokalfinale der Männer, war ich erstmals seit 2017 beim Friseur, um eine substantielle Menge Haare loszuwerden und ich bin bisher sehr zufrieden damit.&#xA;&#xA;3. Mehr Kohle oder weniger?&#xA;&#xA;Definitiv mehr. Am Anfang des Jahres hab ich noch für 240€ im Monat einen Kleinstjob an meiner Universität ausgeführt, mittlerweile arbeite ich in Teilzeit. Reich werde ich damit nicht, das liegt einerseits letztendlich doch am Stundenlohn, anderereits aber auch an der Inflation. Aber ein wenig mehr Ressourcen habe ich dann doch.&#xA;&#xA;4. Die schönste Unternehmung?&#xA;&#xA;Mit meiner Freundin und meiner besten Freundin Heiligabend zu verbringen war ein besonderes Highlight für mich. Weihnachten war lange Zeit für mich eine besonders schwierige Zeit, doch dieses Jahr konnte ich es zumindest an Heiligabend bzw. dann auch dem ersten Weihnachtsfeiertag so einrichten, dass ich wirklich meine Liebsten um mich herum hatte. Das war toll.&#xA;&#xA;5. Die teuerste Anschaffung?&#xA;&#xA;Der Laptop, auf dem ich das hier schreibe! Hauptsächlich für die Uni angeschafft, aber es hat eben auch im Privaten seinen Nutzen. 😈&#xA;&#xA;6. Das leckerste Essen?&#xA;&#xA;Weihnachtsessen, gekocht von meiner besten Freundin. Danke Vera!&#xA;&#xA;7. Das beeindruckendste Buch?&#xA;&#xA;Ich lese es zwar gerade noch, aber Feminismus für alle von bell hooks ist wirklich der Hammer. Wahrscheinlich werde ich, so ich denn mal damit fertig werde, einige Gedanken dazu auf meinem Bookwyrm-Account posten. Also Augen offen halten: @dxciBel@bookwyrm.social&#xA;&#xA;8. Der berührendste Film?&#xA;&#xA;Blind &amp; hässlich war ein Film, der von der Beschreibung und der Prämisse her eigentlich nur furchtbar sein kann, vor allem wenn man im Hinterkopf hat, dass es sich um deutsches Kino handelt. Dem war allerdings nicht so, die Ezählung von Behinderung und Ängsten war erstaunlich respektvoll.&#xA;&#xA;9. Das beste Lied?&#xA;&#xA;Ohne dem kommenden Last.fm-Post zu sehr vorgreifen zu wollen, fand ich Romys Loveher wirklich sehr gut. Den endgültigen Titel muss ich aber am Ende doch Firewake von Zeal &amp; Ardor überlassen. Das Zusammenspiel aus ruhigen Versen in Verbindung mit den Black Metal-Vocals und der bombastisch einschlagenden Zeile &#34;Das ist! Krieg! Gegen! Jeden!&#34; schafft es immer wieder, mich zur Bewegung zu animieren. Oftmals zum Leidwesen der anderen Menschen in der S-Bahn.&#xA;&#xA;10. Das schönste Konzert?&#xA;&#xA;Ich war nur auf einem Club-Konzert dieses Jahr. Seit der Pandemie sind die nicht nur teurer geworden, ich überlege auch immer noch sehr genau, ob ich eine mehrstündige Indoor-Veranstaltung besuche. Bei Open Air-Veranstaltungen mache ich mir da weniger Sorgen, alles andere wäre auch im Hinblick auf meinen Beruf widersinnig. Allerdings ist dafür das Fenster im Vergleich zu &#34;normalen&#34; Shows deutlich geringer. Will sagen: Das beste Konzert war Kvelertak in Verbindung mit den Cancer Bats im Schlachthof Wiesbaden. Die Bats sind Stimmungskanonen wie eh und je und auch bei Kvelertak packte mich irgendwann die Tanzwut. Ich schrieb darüber.&#xA;&#xA;11. Die meiste Zeit verbracht mit?&#xA;&#xA;Ganz klar: Mit der Eintracht! Der Fußball ist und bleibt meine primäre Leidenschaft. Viele Menschen durfte ich dieses Jahr immer und immer wieder sehen, und bei vielen ist es mir immer wieder eine Freude.&#xA;&#xA;12. Die schönste Zeit verbracht mit?&#xA;&#xA;Meiner Freundin, die auch jetzt gerade neben mir sitzt und auf ihrem Steam Deck Diablo spielt. Würde ich auch für nichts eintauschen wollen.&#xA;&#xA;13. 2023 zum ersten Mal getan?&#xA;&#xA;Schon wieder Fußball. Ich war dieses Jahr in Prag erstmals im Ausland bei einem Fußballspiel, noch dazu in einem europäischen Wettbewerb mit einem Verein, an den ich mein Herz verloren habe. Daran werde ich mich (hoffentlich) noch lange zurückerinnern können.&#xA;&#xA;14. 2023 nach langer Zeit wieder getan?&#xA;&#xA;Auto gefahren. Im Privatleben verlasse ich mich eigentlich vollends auf den ÖPNV. Allerdings ist das beruflich doch nochmal etwas anderes, da gehört Reisen eben dazu und dann muss man auch mal hinters Steuer. Weiß immer noch nicht genau, wie ich mich damit fühle. Die meisten Auswärtsfahrten ohne meinen Kollegen (der gerne Auto fährt, keine Sorge) habe ich dann doch mit der Bahn gemacht.&#xA;&#xA;15. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?&#xA;&#xA;Der Gedanke, dass die Pandemie jetzt auf einmal vorüber ist. Spätestens jetzt, in der kalten Jahreszeit, merkt man doch sehr, wie schädlich diese Überzeugung für viele ist. Auch ich war kranker als sonst: Häufiger und mit mehr spürbaren Folgen.  &#xA;Generell die weitere Diskursverschiebung nach rechts. Einen Ruck will ich es nicht nennen, weil es ja stetig weitergeht und keine plötzliche Bewegung ist. Umso belastender.  &#xA;Und der platte Reifen bei meinem neu erstandenen (von Kleinanzeigen) Fahrrad hätte auch nicht sein müssen.&#xA;&#xA;16. Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?&#xA;&#xA;Meinen Computer, mein Bett und die Gelegenheiten, die sich mir durch meinen Beruf eröffnen.&#xA;&#xA;17. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?&#xA;&#xA;Es war eine lange und nervenaufreibende Unternehmung, meine Freundin davon zu überzeugen, zu einem Fußballspiel zu kommen. Am Ende hat es geklappt, auch wenn es das Wolfsburg-Spiel im Waldstadion war, wo wir 2:4 verloren haben. Trotzdem war es mir immens wichtig, diesen Teil meines Lebens auch mal mit ihr teilen zu können.&#xA;&#xA;18. 2023 war in einem Wort?&#xA;&#xA;Viel.&#xA;&#xA;Gedanken&#xA;&#xA;So viel zu dem Fragebogen, aus dem ich mir die Fragen rausgepickt habe, die mir besonders spannend erschienen. Ganz fertig bin ich allerdings noch nicht. Viel mehr möchte ich mir diesen Moment einmal nehmen, um Revue passieren zu lassen, was in diesem Jahr, das ich eben noch als &#34;viel&#34; bezeichnet habe, eigentlich alles passiert ist.&#xA;&#xA;Im Januar war ich, so gesehen, noch gänzlich unbedarft. Der Frauenfußball war auch so schon zentraler Fokuspunkt meines Denkens, doch ab Februar durfte ich das in Form einer Teilzeitstelle als Fanbetreuerin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt verwirklichen. Eine der ersten Fanbetreuerinnen im Frauenfußball, wohlgemerkt. In dem Zusammenhang habe ich viel erlebt und viel machen dürfen, aber auch darum herum habe ich das Studium endlich mal wieder ernst genommen und in meinem Privatleben lief es auch so wie man es sich wünschen würde: Ruhig, aber gut. Nicht alles ist hierbei uneingeschränkt toll, aber doch zumindest so, dass ich es für mich als allgemein positiv verbuchen würde.&#xA;&#xA;Gleichzeitig ist 2023 gesamtgesellschaftlich ein unfassbar schwieriges Jahr gewesen und während bei mir so vieles gut lief, war das bei vielen anderen Menschen und auch politisch gesehen eher nicht so. Hier würde ich mir von mir selbst noch mehr aktives Engagement wünschen. Das muss nicht heißen, dass ich jetzt anfangen soll, Parteiarbeit zu leisten – auch wenn ich bereits Mitglied in einer bin. Sondern viel mehr wäre es mir wichtig, nach meinen Möglichkeiten einfach ein positives Element im Leben anderer zu sein und zu helfen, wo ich kann. Denn, und das mag vielleicht kontrovers klingen, Empathie ist die stärkste Politik. Gleichzeitig bleibe ich meinetwegen auch vergeblich hoffnungsvoll, dass wir in Deutschland nicht wieder beim Faschismus landen. Das war schon beim letzten Mal eher Kacke.&#xA;&#xA;In diesem Sinne ist das erstmal das, was das vergangene Jahr angeht. Ein medialer Rückblick folgt bald. Gute Gesundheit wünsche ich allen Leserinnen!&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="manche-würden-sagen-wer-am-31-dezember-zeit-hat-um-zu-bloggen-der-macht-etwas-falsch-meiner-meinung-nach-ist-es-aber-genau-richtig" id="manche-würden-sagen-wer-am-31-dezember-zeit-hat-um-zu-bloggen-der-macht-etwas-falsch-meiner-meinung-nach-ist-es-aber-genau-richtig">Manche würden sagen, wer am 31. Dezember Zeit hat, um zu bloggen, der macht etwas falsch. Meiner Meinung nach ist es aber genau richtig.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/2023review.jpg" alt="Spiegelselfie in einem Prager Hotelzimmer, ich trage Dienstkleidung und halte meine Akkreditierung hoch" title="Spiegelselfie in einem Prager Hotelzimmer, ich trage Dienstkleidung und halte meine Akkreditierung hoch"></p>



<p>Denn wie könnte man das Jahr besser ausklingen lassen, als beim besinnlichen Schreiben eines Blogposts. Und dabei handelt es sich hier gleich um einen doppelten Anschlag: In diesem Post werde ich den Jahresendfragebogen in Verbindung mit Katalogisierung von Kulturkonsum beleuchten, wie ich ihn <a href="https://loosysays.com/2023/12/31/jahresendfragebogen-und-kulturkonsum-2023/">anderswo gesehen habe</a>, allerdings so angepasst, dass es für mich interessant bleibt. In einem zweiten Post werde ich dann das machen, was mittlerweile ein wenig Tradition geworden ist: Meine Top 25 Künstler*innen des Jahres auf Last.fm zusammenklauben und so das Jahr musikalisch Revue passieren lassen. So viel schon mal vorweg: Ein sonderlich musikalisches Jahr war 2023 für mich nicht.</p>

<h2 id="fragebogen" id="fragebogen">Fragebogen</h2>

<h3 id="1-zugenommen-oder-abgenommen" id="1-zugenommen-oder-abgenommen">1. Zugenommen oder abgenommen?</h3>

<p>Zugenommen. Definitiv. Ich wiege mich eher selten, aber es ist definitiv merkbar. Grund dafür ist allerdings eher erfreulich: Die geschlechtsangleichende Hormontherapie verlangsamt meinen Stoffwechsel, weshalb ich nicht unbedingt mehr essen muss, um mehr zu wiegen. So also quasi Gewicht für mentale Gesundheit eingetauscht. Würde ich wieder machen.</p>

<h3 id="2-haare-länger-oder-kürzer" id="2-haare-länger-oder-kürzer">2. Haare länger oder kürzer?</h3>

<p>Kürzer, und das finde ich auch gut so. Im Juni, vor dem DFB-Pokalfinale der Männer, war ich erstmals seit 2017 beim Friseur, um eine substantielle Menge Haare loszuwerden und ich bin bisher sehr zufrieden damit.</p>

<h3 id="3-mehr-kohle-oder-weniger" id="3-mehr-kohle-oder-weniger">3. Mehr Kohle oder weniger?</h3>

<p>Definitiv mehr. Am Anfang des Jahres hab ich noch für 240€ im Monat einen Kleinstjob an meiner Universität ausgeführt, mittlerweile arbeite ich in Teilzeit. Reich werde ich damit nicht, das liegt einerseits letztendlich doch am Stundenlohn, anderereits aber auch an der Inflation. Aber ein wenig mehr Ressourcen habe ich dann doch.</p>

<h3 id="4-die-schönste-unternehmung" id="4-die-schönste-unternehmung">4. Die schönste Unternehmung?</h3>

<p>Mit meiner Freundin und meiner besten Freundin Heiligabend zu verbringen war ein besonderes Highlight für mich. Weihnachten war lange Zeit für mich eine besonders schwierige Zeit, doch dieses Jahr konnte ich es zumindest an Heiligabend bzw. dann auch dem ersten Weihnachtsfeiertag so einrichten, dass ich wirklich meine Liebsten um mich herum hatte. Das war toll.</p>

<h3 id="5-die-teuerste-anschaffung" id="5-die-teuerste-anschaffung">5. Die teuerste Anschaffung?</h3>

<p>Der Laptop, auf dem ich das hier schreibe! Hauptsächlich für die Uni angeschafft, aber es hat eben auch im Privaten seinen Nutzen. 😈</p>

<h3 id="6-das-leckerste-essen" id="6-das-leckerste-essen">6. Das leckerste Essen?</h3>

<p>Weihnachtsessen, gekocht von meiner besten Freundin. Danke Vera!</p>

<h3 id="7-das-beeindruckendste-buch" id="7-das-beeindruckendste-buch">7. Das beeindruckendste Buch?</h3>

<p>Ich lese es zwar gerade noch, aber <a href="https://unrast-verlag.de/produkt/feminismus-fuer-alle/"><em>Feminismus für alle</em> von bell hooks</a> ist wirklich der Hammer. Wahrscheinlich werde ich, so ich denn mal damit fertig werde, einige Gedanken dazu auf meinem Bookwyrm-Account posten. Also Augen offen halten: <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@bookwyrm.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@bookwyrm.social</span></a></p>

<h3 id="8-der-berührendste-film" id="8-der-berührendste-film">8. Der berührendste Film?</h3>

<p><a href="https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel/blind--haesslich-102.html">Blind &amp; hässlich</a> war ein Film, der von der Beschreibung und der Prämisse her eigentlich nur furchtbar sein kann, vor allem wenn man im Hinterkopf hat, dass es sich um deutsches Kino handelt. Dem war allerdings nicht so, die Ezählung von Behinderung und Ängsten war erstaunlich respektvoll.</p>

<h3 id="9-das-beste-lied" id="9-das-beste-lied">9. Das beste Lied?</h3>

<p>Ohne dem kommenden Last.fm-Post zu sehr vorgreifen zu wollen, fand ich Romys <a href="https://www.youtube.com/watch?v=k6gGG7u0dbE"><em>Loveher</em></a> wirklich sehr gut. Den endgültigen Titel muss ich aber am Ende doch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4fs6ONXskb4"><em>Firewake</em></a> von Zeal &amp; Ardor überlassen. Das Zusammenspiel aus ruhigen Versen in Verbindung mit den Black Metal-Vocals und der bombastisch einschlagenden Zeile <strong>“Das ist! Krieg! Gegen! Jeden!”</strong> schafft es immer wieder, mich zur Bewegung zu animieren. Oftmals zum Leidwesen der anderen Menschen in der S-Bahn.</p>

<h3 id="10-das-schönste-konzert" id="10-das-schönste-konzert">10. Das schönste Konzert?</h3>

<p>Ich war nur auf einem Club-Konzert dieses Jahr. Seit der Pandemie sind die nicht nur teurer geworden, ich überlege auch immer noch sehr genau, ob ich eine mehrstündige Indoor-Veranstaltung besuche. Bei Open Air-Veranstaltungen mache ich mir da weniger Sorgen, alles andere wäre auch im Hinblick auf meinen Beruf widersinnig. Allerdings ist dafür das Fenster im Vergleich zu “normalen” Shows deutlich geringer. Will sagen: Das beste Konzert war Kvelertak in Verbindung mit den Cancer Bats im Schlachthof Wiesbaden. Die Bats sind Stimmungskanonen wie eh und je und auch bei Kvelertak packte mich irgendwann die Tanzwut. <a href="https://dxcibel.cyou/tanzverbot-im-spiesserstaat">Ich schrieb darüber.</a></p>

<h3 id="11-die-meiste-zeit-verbracht-mit" id="11-die-meiste-zeit-verbracht-mit">11. Die meiste Zeit verbracht mit?</h3>

<p>Ganz klar: Mit der Eintracht! Der Fußball ist und bleibt meine primäre Leidenschaft. Viele Menschen durfte ich dieses Jahr immer und immer wieder sehen, und bei vielen ist es mir immer wieder eine Freude.</p>

<h3 id="12-die-schönste-zeit-verbracht-mit" id="12-die-schönste-zeit-verbracht-mit">12. Die schönste Zeit verbracht mit?</h3>

<p>Meiner Freundin, die auch jetzt gerade neben mir sitzt und auf ihrem Steam Deck Diablo spielt. Würde ich auch für nichts eintauschen wollen.</p>

<h3 id="13-2023-zum-ersten-mal-getan" id="13-2023-zum-ersten-mal-getan">13. 2023 zum ersten Mal getan?</h3>

<p>Schon wieder Fußball. Ich war dieses Jahr in Prag erstmals im Ausland bei einem Fußballspiel, noch dazu in einem europäischen Wettbewerb mit einem Verein, an den ich mein Herz verloren habe. Daran werde ich mich (hoffentlich) noch lange zurückerinnern können.</p>

<h3 id="14-2023-nach-langer-zeit-wieder-getan" id="14-2023-nach-langer-zeit-wieder-getan">14. 2023 nach langer Zeit wieder getan?</h3>

<p>Auto gefahren. Im Privatleben verlasse ich mich eigentlich vollends auf den ÖPNV. Allerdings ist das beruflich doch nochmal etwas anderes, da gehört Reisen eben dazu und dann muss man auch mal hinters Steuer. Weiß immer noch nicht genau, wie ich mich damit fühle. Die meisten Auswärtsfahrten ohne meinen Kollegen (der gerne Auto fährt, keine Sorge) habe ich dann doch mit der Bahn gemacht.</p>

<h3 id="15-drei-dinge-auf-die-ich-gut-hätte-verzichten-können" id="15-drei-dinge-auf-die-ich-gut-hätte-verzichten-können">15. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?</h3>

<p>Der Gedanke, dass die Pandemie jetzt auf einmal vorüber ist. Spätestens jetzt, in der kalten Jahreszeit, merkt man doch sehr, wie schädlich diese Überzeugung für viele ist. Auch ich war kranker als sonst: Häufiger und mit mehr spürbaren Folgen.<br>
Generell die weitere Diskursverschiebung nach rechts. Einen Ruck will ich es nicht nennen, weil es ja stetig weitergeht und keine plötzliche Bewegung ist. Umso belastender.<br>
Und der platte Reifen bei meinem neu erstandenen (von Kleinanzeigen) Fahrrad hätte auch nicht sein müssen.</p>

<h3 id="16-drei-dinge-auf-die-ich-nicht-hätte-verzichten-wollen" id="16-drei-dinge-auf-die-ich-nicht-hätte-verzichten-wollen">16. Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?</h3>

<p>Meinen Computer, mein Bett und die Gelegenheiten, die sich mir durch meinen Beruf eröffnen.</p>

<h3 id="17-die-wichtigste-sache-von-der-ich-jemanden-überzeugen-wollte" id="17-die-wichtigste-sache-von-der-ich-jemanden-überzeugen-wollte">17. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?</h3>

<p>Es war eine lange und nervenaufreibende Unternehmung, meine Freundin davon zu überzeugen, zu einem Fußballspiel zu kommen. Am Ende hat es geklappt, auch wenn es das Wolfsburg-Spiel im Waldstadion war, wo wir 2:4 verloren haben. Trotzdem war es mir immens wichtig, diesen Teil meines Lebens auch mal mit ihr teilen zu können.</p>

<h3 id="18-2023-war-in-einem-wort" id="18-2023-war-in-einem-wort">18. 2023 war in einem Wort?</h3>

<p>Viel.</p>

<h2 id="gedanken" id="gedanken">Gedanken</h2>

<p>So viel zu dem Fragebogen, aus dem ich mir die Fragen rausgepickt habe, die mir besonders spannend erschienen. Ganz fertig bin ich allerdings noch nicht. Viel mehr möchte ich mir diesen Moment einmal nehmen, um Revue passieren zu lassen, was in diesem Jahr, das ich eben noch als “viel” bezeichnet habe, eigentlich alles passiert ist.</p>

<p>Im Januar war ich, so gesehen, noch gänzlich unbedarft. Der Frauenfußball war auch so schon zentraler Fokuspunkt meines Denkens, doch ab Februar durfte ich das in Form einer Teilzeitstelle als Fanbetreuerin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt verwirklichen. Eine der ersten Fanbetreuerinnen im Frauenfußball, wohlgemerkt. In dem Zusammenhang habe ich viel erlebt und viel machen dürfen, aber auch darum herum habe ich das Studium endlich mal wieder ernst genommen und in meinem Privatleben lief es auch so wie man es sich wünschen würde: Ruhig, aber gut. Nicht alles ist hierbei uneingeschränkt toll, aber doch zumindest so, dass ich es für mich als allgemein positiv verbuchen würde.</p>

<p>Gleichzeitig ist 2023 gesamtgesellschaftlich ein unfassbar schwieriges Jahr gewesen und während bei mir so vieles gut lief, war das bei vielen anderen Menschen und auch politisch gesehen eher nicht so. Hier würde ich mir von mir selbst noch mehr aktives Engagement wünschen. Das muss nicht heißen, dass ich jetzt anfangen soll, Parteiarbeit zu leisten – auch wenn ich bereits Mitglied in einer bin. Sondern viel mehr wäre es mir wichtig, nach meinen Möglichkeiten einfach ein positives Element im Leben anderer zu sein und zu helfen, wo ich kann. Denn, und das mag vielleicht kontrovers klingen, Empathie ist die stärkste Politik. Gleichzeitig bleibe ich meinetwegen auch vergeblich hoffnungsvoll, dass wir in Deutschland nicht wieder beim Faschismus landen. Das war schon beim letzten Mal eher Kacke.</p>

<p>In diesem Sinne ist das erstmal das, was das vergangene Jahr angeht. Ein medialer Rückblick folgt bald. Gute Gesundheit wünsche ich allen Leser*innen!</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://dxcibel.cyou/2023-war-viel</guid>
      <pubDate>Sun, 31 Dec 2023 18:13:51 +0000</pubDate>
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      <title>Die Kommunikationsform der Moderne</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/die-kommunikationsform-der-moderne</link>
      <description>&lt;![CDATA[Seit einigen Monaten schreibe ich meiner besten Freundin Briefe, um mit ihr im Austausch zu bleiben. Vielleicht ist das nicht nur für uns beide, sondern auch generell nicht schlecht, um Kommunikation zu entschleunigen.&#xA;&#xA;Ein Füller der auf einem Stück Papier liegt&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Photo by a href=&#34;https://unsplash.com/@towfiqu999999?utmcontent=creditCopyText&amp;utmmedium=referral&amp;utmsource=unsplash&#34;Towfiqu barbhuiya/a on a href=&#34;https://unsplash.com/photos/a-pen-sitting-on-top-of-a-piece-of-paper-6FpGIdn45A?utmcontent=creditCopyText&amp;utmmedium=referral&amp;utm_source=unsplash&#34;Unsplash/a&#xA;&#xA;Im Juli lud mich meine beste Freundin von mittlerweile stattlichen zehn Jahren zu ihrer Geburtstagsfeier ein. Eine kleine Runde aus engen Freundinnen (bewusst nicht gegendert 😍) und ihrem Freund. Es gab eine Menge Snacks, gute Unterhaltungen und ein paar Gesellschaftsspiele. Alles in allem eine Geburtstagsfeier, wie man sie sich wünschen würde, und eine auf der ich eine Menge Spaß hatte, obwohl ich eigentlich niemanden kannte.&#xA;&#xA;Doch zu einem Geburtstag gehört nicht nur Geselligkeit, sondern auch Geschenke. Mein Gedanke war, ihr ein Abo des Missy Magazine zu schenken. Denn einerseits. bin ich seit März glückliche Abonnentin des feministischen Magazins und finde es nur fair, diese Freude zu teilen – und dabei auch noch unabhängigen Journalismus zu unterstützen – und andererseits war die Missy kurz zuvor noch mit einem Abo-Aufruf an die Öffentlichkeit gegangen, weil unter anderem die Papierkosten im letzten Jahr massiv angestiegen sind und auf einmal ein massives Loch im Budget entstanden war. Ein Problem, das durchaus auch andere linke Zeitungen und Zeitschriften aktuell haben, bei der Missy lag es mir persönlich aber besonders am Herzen.&#xA;&#xA;Nun lässt sich so ein Abo allerdings nur schwer in Geschenkpapier einwickeln, also habe ich mich entschieden, ihr eine kleine Grußkarte zu schreiben und die Ankündigung eines Geschenkabos darin zu verpacken. Also schrieb ich ihr ein paar wertschätzende Worte und obwohl mir bereits nach den drei Sätzen, die auf so eine Grußkarte draufpassen die Hand wehtat fand ich es irgendwie cool. Ebenso wie ich zu den Zeiten als ich noch geraucht habe den reinen Prozess des Kippendrehens oftmals mehr genossen habe als die Zigaretten selbst waren auch hier die Worte auf einmal allein deswegen, wie sie übermittelt wurden, viel mehr wert als es jede digitale Nachricht je sein könnte. Wäre es nicht cool, wenn man das regelmäßiger machen würde?&#xA;&#xA;Dazu kam, dass ich bereits seit einiger Zeit am Überlegen war, wie ich einen regelmäßigen Kontakt zu besagter Freundin pflegen könnte. Denn wir beide mögen uns zwar sehr, aber unsere Leben haben nur bedingt Punkte, an denen sie sich überkreuzen. Kennengelernt haben wir uns damals einerseits über Twitter (RIP, wobei sie es bereits seit Jahren nicht mehr wirklich nutzt) und unsere gemeinsame Liebe zur Musik. Wir sind auch auf einige Konzerte gegangen – doch mittlerweile ist die Metal- und Hardcore-Szene eine, aus der wir uns beide aus sehr ähnlich gearteten Gründen eher zurückgezogen haben. Dazu die zwar nicht weltenbewegende aber doch zumindest merkbare räumliche Trennung und die mittlerweile einfach unterschiedlichen Lebensentwürfe machen eigentlich einen wunderbaren Beginn für eine Geschichte, die mit »Wir haben uns einfach auseinandergelebt« endet.&#xA;&#xA;Doch als ich ihr bei der oben angesprochenen Geburtstagsfeier von meiner Idee erzählte, war auch sie sehr angetan davon. Also setzte ich mich einige Wochen später hin und schrieb meinen ersten Brief, in dem ich über Gott und die Welt redete: Arbeit, Fußball, Leidenschaft, was mir eben so durch den Kopf ging. Und ja, ihr habt richtig gelesen: Es sind Wochen vergangen. Es vergehen auch jetzt noch oft Wochen zwischen den Briefen, denn das Schreiben ist zwar um einiges persönlicher, aber dafür auch deutlich anstrengender und langwieriger. Eine Sache also, für die man sich schon mal ein bis zwei Stunden Zeit nehmen muss, auch wenn am Ende nur ein Bruchteil der Menge an Text rauskommt, die man digital hätte produzieren können. Eben darin besteht aber auch die Geste, die dem Ganzen inneliegt. Denn blaue Finger (ich bin Linkshänderin), ein schmerzendes Handgelenk und zwei Stunden seiner Zeit nimmt man zwar gerne in Kauf, gerade wenn es um die eigenen Liebsten geht. Doch muss man auch erstmal die Zeit dafür finden. Entspannend ist es, finde ich, trotzdem. Und die perfekte Art für zwei introvertierte Menschen, sich auszutauschen ohne dabei das Haus verlassen zu müssen – oder zumindest nicht weiter gehen zu müssen als bis zum Briefkasten.&#xA;&#xA;Seit August haben wir nun insgesamt fünf Briefe geschrieben, und ich freue mich zu sagen, dass es für mich bisher ein ziemlicher Erfolg war. Einerseits die Momente der Introspektion, die mit dem Schreiben einhergehen. Aber auch die Freude, die damit einhergeht, wenn mal etwas cooles im Briefkasten liegt, für das man nicht bezahlt hat. Ein Gefühl, das ich beinahe vergessen hatte.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="seit-einigen-monaten-schreibe-ich-meiner-besten-freundin-briefe-um-mit-ihr-im-austausch-zu-bleiben-vielleicht-ist-das-nicht-nur-für-uns-beide-sondern-auch-generell-nicht-schlecht-um-kommunikation-zu-entschleunigen" id="seit-einigen-monaten-schreibe-ich-meiner-besten-freundin-briefe-um-mit-ihr-im-austausch-zu-bleiben-vielleicht-ist-das-nicht-nur-für-uns-beide-sondern-auch-generell-nicht-schlecht-um-kommunikation-zu-entschleunigen">Seit einigen Monaten schreibe ich meiner besten Freundin Briefe, um mit ihr im Austausch zu bleiben. Vielleicht ist das nicht nur für uns beide, sondern auch generell nicht schlecht, um Kommunikation zu entschleunigen.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/dear.jpg" alt="Ein Füller der auf einem Stück Papier liegt"></p>



<p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@towfiqu999999?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash">Towfiqu barbhuiya</a> on <a href="https://unsplash.com/photos/a-pen-sitting-on-top-of-a-piece-of-paper-6FpGIdn45_A?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash">Unsplash</a></p>

<p>Im Juli lud mich meine beste Freundin von mittlerweile stattlichen zehn Jahren zu ihrer Geburtstagsfeier ein. Eine kleine Runde aus engen Freundinnen (bewusst nicht gegendert 😍) und ihrem Freund. Es gab eine <strong>Menge</strong> Snacks, gute Unterhaltungen und ein paar Gesellschaftsspiele. Alles in allem eine Geburtstagsfeier, wie man sie sich wünschen würde, und eine auf der ich eine Menge Spaß hatte, obwohl ich eigentlich niemanden kannte.</p>

<p>Doch zu einem Geburtstag gehört nicht nur Geselligkeit, sondern auch Geschenke. Mein Gedanke war, ihr ein Abo des Missy Magazine zu schenken. Denn einerseits. bin ich seit März glückliche Abonnentin des feministischen Magazins und finde es nur fair, diese Freude zu teilen – und dabei auch noch unabhängigen Journalismus zu unterstützen – und andererseits war die Missy kurz zuvor noch mit einem <a href="https://missy-magazine.de/blog/2023/08/01/das-missy-magazine-steht-kurz-vor-dem-aus/">Abo-Aufruf an die Öffentlichkeit gegangen</a>, weil unter anderem die Papierkosten im letzten Jahr massiv angestiegen sind und auf einmal ein massives Loch im Budget entstanden war. Ein Problem, das durchaus auch andere linke <a href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1174265.nd-genossenschaft-nd-genossenschaft-funkt-sos.html">Zeitungen</a> und <a href="https://www.akweb.de/1000-neue-abos-fuer-ak/">Zeitschriften</a> aktuell haben, bei der Missy lag es mir persönlich aber besonders am Herzen.</p>

<p>Nun lässt sich so ein Abo allerdings nur schwer in Geschenkpapier einwickeln, also habe ich mich entschieden, ihr eine kleine Grußkarte zu schreiben und die Ankündigung eines Geschenkabos darin zu verpacken. Also schrieb ich ihr ein paar wertschätzende Worte und obwohl mir bereits nach den drei Sätzen, die auf so eine Grußkarte draufpassen die Hand wehtat fand ich es irgendwie cool. Ebenso wie ich zu den Zeiten als ich noch geraucht habe den reinen Prozess des Kippendrehens oftmals mehr genossen habe als die Zigaretten selbst waren auch hier die Worte auf einmal allein deswegen, wie sie übermittelt wurden, viel mehr wert als es jede digitale Nachricht je sein könnte. Wäre es nicht cool, wenn man das regelmäßiger machen würde?</p>

<p>Dazu kam, dass ich bereits seit einiger Zeit am Überlegen war, wie ich einen regelmäßigen Kontakt zu besagter Freundin pflegen könnte. Denn wir beide mögen uns zwar sehr, aber unsere Leben haben nur bedingt Punkte, an denen sie sich überkreuzen. Kennengelernt haben wir uns damals einerseits über Twitter (RIP, wobei sie es bereits seit Jahren nicht mehr wirklich nutzt) und unsere gemeinsame Liebe zur Musik. Wir sind auch auf einige Konzerte gegangen – doch mittlerweile ist die Metal- und Hardcore-Szene eine, aus der wir uns beide aus <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WY8MXiHbIAk">sehr ähnlich gearteten Gründen</a> eher zurückgezogen haben. Dazu die zwar nicht weltenbewegende aber doch zumindest merkbare räumliche Trennung und die mittlerweile einfach unterschiedlichen Lebensentwürfe machen eigentlich einen wunderbaren Beginn für eine Geschichte, die mit »Wir haben uns einfach auseinandergelebt« endet.</p>

<p>Doch als ich ihr bei der oben angesprochenen Geburtstagsfeier von meiner Idee erzählte, war auch sie sehr angetan davon. Also setzte ich mich einige Wochen später hin und schrieb meinen ersten Brief, in dem ich über Gott und die Welt redete: Arbeit, Fußball, Leidenschaft, was mir eben so durch den Kopf ging. Und ja, ihr habt richtig gelesen: Es sind Wochen vergangen. Es vergehen auch jetzt noch oft Wochen zwischen den Briefen, denn das Schreiben ist zwar um einiges persönlicher, aber dafür auch deutlich anstrengender und langwieriger. Eine Sache also, für die man sich schon mal ein bis zwei Stunden Zeit nehmen muss, auch wenn am Ende nur ein Bruchteil der Menge an Text rauskommt, die man digital hätte produzieren können. Eben darin besteht aber auch die Geste, die dem Ganzen inneliegt. Denn blaue Finger (ich bin Linkshänderin), ein schmerzendes Handgelenk und zwei Stunden seiner Zeit nimmt man zwar gerne in Kauf, gerade wenn es um die eigenen Liebsten geht. Doch muss man auch erstmal die Zeit dafür finden. Entspannend ist es, finde ich, trotzdem. Und die perfekte Art für zwei introvertierte Menschen, sich auszutauschen ohne dabei das Haus verlassen zu müssen – oder zumindest nicht weiter gehen zu müssen als bis zum Briefkasten.</p>

<p>Seit August haben wir nun insgesamt fünf Briefe geschrieben, und ich freue mich zu sagen, dass es für mich bisher ein ziemlicher Erfolg war. Einerseits die Momente der Introspektion, die mit dem Schreiben einhergehen. Aber auch die Freude, die damit einhergeht, wenn mal etwas cooles im Briefkasten liegt, für das man nicht bezahlt hat. Ein Gefühl, das ich beinahe vergessen hatte.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/die-kommunikationsform-der-moderne</guid>
      <pubDate>Wed, 29 Nov 2023 23:19:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Tanzverbot im Spießerstaat</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/tanzverbot-im-spiesserstaat</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ein Plädoyer für das ausgelassene Tanzen. Für sich selbst, und gegen den Faschismus.&#xA;&#xA;Mehrere Menschen halten ihre Hände zu Rockhänden geformt in die Höhe, im Hintergrund Rauch&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Photo by a href=&#34;https://unsplash.com/@luukski?utmcontent=creditCopyText&amp;utmmedium=referral&amp;utmsource=unsplash&#34;Luuk Wouters/a on a href=&#34;https://unsplash.com/photos/photo-of-persons-doing-rock-hand-sign-2rxgWHby5mo?utmcontent=creditCopyText&amp;utmmedium=referral&amp;utmsource=unsplash&#34;Unsplash/a&#xA;&#xA;Content-Warnung: Alkohol, chemische Drogen&#xA;  &#xA;&#xA;Auf der Tanzfläche kann ich am Besten nachdenken. Wenn Körper und Musik verschmelzen, dann macht sich der Geist gerne mal auf eine Reise durch Raum, Zeit und Welt. Dieser beinahe transzendente Zustand mag vielleicht etwas unüblich sein. Doch was eigentlich jede\r, dieder schon mal eine Nacht durchgefeiert hat, schon mal erlebt haben sollte, ist zumindest ein gewisses Gefühl der Euphorie das durch das Tanzen entsteht. Die rhythmische Bewegung mal mehr, mal weniger im Takt der Musik – Koordination ist tatsächlich zweitrangig, solange man willens ist, den eigenen Körper einfach mal machen zu lassen. Das kann man alleine machen, man kann es auch alleine in einer Menschenmenge machen. Man kann es aber auch mit anderen teilen und diese Euphorie gemeinsam spüren.&#xA;&#xA;Warum zum Teufel tanzen wir also nicht viel mehr?&#xA;&#xA;Motiviert zum Schreiben dieses Blogposts hat mich ein Konzert, auf dem ich gerade war. Früher war ich häufig auf Konzerten, zwischendrin eher in Techno-Clubs, und seit der Pandemie so gut wie gar nicht mehr. Dementsprechend besonders war es für mich jetzt, mal wieder mit der S8 zum Schlachthof in Wiesbaden zu fahren und drei Stunden lang die Ohren vollgedröhnt zu bekommen. Während ich mich bei der ersten Band noch etwas eingrooven musste, war dann bei der zweiten kein Halten mehr: Nach circa zehn Minuten im Set merkte ich, wie ich gedankenverloren angefangen hatte zu tanzen. Mich zu bewegen, einfach die Musik und die Riffs zu spüren. Geholfen hat dabei natürlich, dass Kvelertak eine äußerst tanzbare Band ist.&#xA;&#xA;Was mir dann aber relativ schnell auffiel, nachdem ich mich der Musik ergeben hatte: Außer mir bewegte sich fast niemand. Hier und da wippte mal jemand mit, schunkelte ein wenig hin und her oder setzte gar zu einem kurzen Luftgitarrensolo an. Keinerlei Beschwerden über das letztere – wer noch nie ein solches Solo gespielt hat, werfe die erste Luftgitarre – doch konnte ich es kaum fassen, dass in einem Raum von mehreren hundert Leuten so wenig Bewegung war. Selbst die Mitwippenden waren in der Unterzahl, manche bewegten sich über das 90minütige Set so gut wie gar nicht. Einige verhaltene Rufe zwischen den Songs und Rockhände waren für viele das höchste der Gefühle. Verdammt, ihr fahrt an einem Samstagabend zu einem Livekonzert und das enthusiastischste, was euch zu entlocken ist, sind ein paar Rockhände zwischen den Songs und alle paar Minuten im 4/4-Takt klatschen? Wie kann das sein?&#xA;&#xA;Hier wird es jetzt politisch&#xA;&#xA;So machte ich mir Gedanken darüber, warum ich denn vielleicht nicht die einzige war, die sich bewegte, aber doch zumindest die, die das am meisten tat. Ganz schnell musste ich an eine Konversation denken, die ich erst vor wenigen Tagen geführt habe. Ein cis hetero Mann (lieb gemeint) berichtete mir mit ganz strahlenden Augen davon, wie sehr er die queere Community um die Ausgelassenheit beneiden würde, die diese beim Feiern an den Tag lege. Natürlich ist das so, dachte ich mir. Denn gerade sichtbar queere Menschen werden ohnehin den ganzen Tag lang angestarrt: In der Bahn, beim Einkaufen, bei der Arbeit. Als Frau mit Undercut und Schlüsselbund am Karabinerhaken (komplett ausgedachtes Beispiel 🤭) ist man eben oftmals ein bunter Hund im Stadtbild. &#xA;&#xA;An dieser Logik entlang lässt sich auch eine Diskussion darüber führen, ob queere Menschen vielleicht eher willens sind, auch im Jahr 2023 noch eine Maske zu tragen. Denn wenn man ohnehin auffällt, kann man das ja auch mit Empathie machen. Aber diese Diskussion lässt sich sehr gut anderswo führen.&#xA;&#xA;Natürlich ist es also auch so, dass ich als Mensch, der sich durchaus auch ein wenig durch das eigene Queersein definiert und der mit binären Geschlechtsvorstellungen ohnehin relativ wenig zu tun hat, am wenigsten Hemmungen davor habe, zu guter Musik auch mal zu tanzen. Denn die anderen Menschen im Raum haben ja viel zu viel Angst davor, von anderen für ihr schlechtes Getanze verurteilt zu werden. Oder es setzt sogar noch früher an: In einem Raum, in dem sonst niemand tanzt, würde man ja auf einmal auffallen, wenn man der Norm widersprechen würde. Das kann der gemeine Deutsche nicht haben. Denn wer auffällt, wer aus dem Rahmen fällt, wer anders ist, wer auch mal laut ist, wenn alle leise sind – der gehört nicht zu uns. Der muss mit dem Rasenmäher wieder ganz schnell auf Durchschnittslänge getrimmt werden, ehe sich hier noch ernsthafter Widerstand erhebt. Enthemmung ist keine Eigenschaft der deutschen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sich in den letzten 80 Jahren stellenweise erschreckend wenig verändert hat.&#xA;&#xA;Elektronische Zwischenklänge&#xA;&#xA;Nun muss man ja sagen, dass diese Enthemmung, der Wille zu tanzen und sich ausgelassen zu verhalten, trotzdem ein Bedürfnis bleibt. Einige leben das auch durchaus aus: Man muss nur einmal eine Nacht in einem Techno-Club verbracht haben um zu wissen, dass die dort befindlichen Druffis teils mit Schließung des Clubs von der Tanzfläche geschleift werden müssen und danach trotzdem die allererste Frage ist: Wo gehen wir jetzt hin zum Aftern?&#xA;&#xA;Doch ist Techno eine Musikrichtung, die in der Breite der bürgerlichen Gesellschaft nur bedingt Anklang findet. Oftmals sind es die großen Städte wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin, die bekannt sind für ihre Techno-Szene. Eben die Städte in die diejenigen Leute fliehen, die sich in weniger urbanen Gegenden nicht wiederfinden. Raves im Wald soll es auch geben und auch kleineren Städten möchte ich ihre Techno-Szene nicht absprechen. Doch seien wir mal ehrlich: Auf dem Volksfest sind die einzigen elektronischen Klänge die Synthesizer, die für Schlager gebraucht werden. Und das Konzept, irgendwo auf einem Acker Musik für ein paar Tausend Leute zu spielen ist auch eher der Rockmusik vorbehalten.&#xA;&#xA;Denn genau diese Festivals irgendwo auf einem Acker sind es, auf dem sich auch diejenigen, die 362 Tage im Jahr eher zurückhaltend sind, mal so richtig gehen lassen können. Wenn man donnerstags aus dem Auto steigt und sich in der prallen August-Sonne erstmal in einen Campingstuhl sacken lässt und sich den vom Alkoholiker-Kumpel angerührten &#34;Mischdrink&#34; aus 3/4 Vodka und etwas Orangensaft reinknallt, dann ist man Samstag vielleicht auch mal bereit, ein bisschen zu pogen und bei Sabaton mitzugrölen, wenn die aus irgendeinem Grund schon wieder? immer noch? mit Plastikpanzer im Bühnenbild über den Zweiten Weltkrieg schwadronieren. Doch an einem normalen Samstagabend im Oktober – tja, da muss man sich dann doch etwas im Zaum halten. So viel kann man gar nicht trinken, dass man tanzen kann. Und das ist dann die beliebteste Subkultur im Lande. Kultur findet schließlich immer noch im Schlagerzelt statt.&#xA;&#xA;Eine Spezi reicht&#xA;&#xA;Dass der exzessive Konsum von Alkohol gar nicht nötig ist, um Spaß zu haben, muss man vielen gar nicht erzählen. Der Zug ist leider schon abgefahren. Ich auf jeden Fall habe heute Abend eine Spezi getrunken, eine richtig gute Zeit mit einigen geilen Black&#39;n&#39;Roll-Riffs gehabt, und nehme mir für das nächste Konzert vor, mindestens genauso enthusiastisch und wahrscheinlich auch schlecht zu tanzen. Vielleicht stecke ich ja die ein oder andere Person an und wer weiß, vielleicht fühlen die dann auch etwas von der Euphorie, die beim Tanzen aufkommt. Denn nur wer sich auch mal erlaubt, Spaß zu haben, der kann diese Freude und die dabei entstehenden positiven Emotionen letztendlich auch in die Welt hinaustragen. So steht es also: Tanzen ist politische Praxis!&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="ein-plädoyer-für-das-ausgelassene-tanzen-für-sich-selbst-und-gegen-den-faschismus" id="ein-plädoyer-für-das-ausgelassene-tanzen-für-sich-selbst-und-gegen-den-faschismus">Ein Plädoyer für das ausgelassene Tanzen. Für sich selbst, und gegen den Faschismus.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/rockhands.jpg" alt="Mehrere Menschen halten ihre Hände zu Rockhänden geformt in die Höhe, im Hintergrund Rauch"></p>



<p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@luukski?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash">Luuk Wouters</a> on <a href="https://unsplash.com/photos/photo-of-persons-doing-rock-hand-sign-2rxgWHby5mo?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash">Unsplash</a></p>

<p><strong>Content-Warnung: Alkohol, chemische Drogen</strong></p>

<p>Auf der Tanzfläche kann ich am Besten nachdenken. Wenn Körper und Musik verschmelzen, dann macht sich der Geist gerne mal auf eine Reise durch Raum, Zeit und Welt. Dieser beinahe transzendente Zustand mag vielleicht etwas unüblich sein. Doch was eigentlich jede*r, die*der schon mal eine Nacht durchgefeiert hat, schon mal erlebt haben sollte, ist zumindest ein gewisses Gefühl der Euphorie das durch das Tanzen entsteht. Die rhythmische Bewegung mal mehr, mal weniger im Takt der Musik – Koordination ist tatsächlich zweitrangig, solange man willens ist, den eigenen Körper einfach mal machen zu lassen. Das kann man alleine machen, man kann es auch alleine in einer Menschenmenge machen. Man kann es aber auch mit anderen teilen und diese Euphorie gemeinsam spüren.</p>

<h2 id="warum-zum-teufel-tanzen-wir-also-nicht-viel-mehr" id="warum-zum-teufel-tanzen-wir-also-nicht-viel-mehr">Warum zum Teufel tanzen wir also nicht viel mehr?</h2>

<p>Motiviert zum Schreiben dieses Blogposts hat mich ein Konzert, auf dem ich gerade war. Früher war ich häufig auf Konzerten, zwischendrin eher in Techno-Clubs, und seit der Pandemie so gut wie gar nicht mehr. Dementsprechend besonders war es für mich jetzt, mal wieder mit der S8 zum Schlachthof in Wiesbaden zu fahren und drei Stunden lang die Ohren vollgedröhnt zu bekommen. Während ich mich bei der ersten Band noch etwas eingrooven musste, war dann bei der zweiten kein Halten mehr: Nach circa zehn Minuten im Set merkte ich, wie ich gedankenverloren angefangen hatte zu tanzen. Mich zu bewegen, einfach die Musik und die Riffs zu spüren. Geholfen hat dabei natürlich, dass <a href="https://www.youtube.com/watch?v=r7sIqyoRFiU">Kvelertak</a> eine äußerst tanzbare Band ist.</p>

<p>Was mir dann aber relativ schnell auffiel, nachdem ich mich der Musik ergeben hatte: Außer mir bewegte sich fast niemand. Hier und da wippte mal jemand mit, schunkelte ein wenig hin und her oder setzte gar zu einem kurzen Luftgitarrensolo an. Keinerlei Beschwerden über das letztere – wer noch nie ein solches Solo gespielt hat, werfe die erste Luftgitarre – doch konnte ich es kaum fassen, dass in einem Raum von mehreren hundert Leuten so wenig Bewegung war. Selbst die Mitwippenden waren in der Unterzahl, manche bewegten sich über das 90minütige Set so gut wie gar nicht. Einige verhaltene Rufe zwischen den Songs und Rockhände waren für viele das höchste der Gefühle. <em>Verdammt</em>, ihr fahrt an einem Samstagabend zu einem Livekonzert und das enthusiastischste, was euch zu entlocken ist, sind ein paar Rockhände zwischen den Songs und alle paar Minuten im 4/4-Takt klatschen? Wie kann das sein?</p>

<h2 id="hier-wird-es-jetzt-politisch" id="hier-wird-es-jetzt-politisch">Hier wird es jetzt politisch</h2>

<p>So machte ich mir Gedanken darüber, warum ich denn vielleicht nicht die einzige war, die sich bewegte, aber doch zumindest die, die das am meisten tat. Ganz schnell musste ich an eine Konversation denken, die ich erst vor wenigen Tagen geführt habe. Ein cis hetero Mann (lieb gemeint) berichtete mir mit ganz strahlenden Augen davon, wie sehr er die queere Community um die Ausgelassenheit beneiden würde, die diese beim Feiern an den Tag lege. <em>Natürlich ist das so,</em> dachte ich mir. Denn gerade sichtbar queere Menschen werden ohnehin den ganzen Tag lang angestarrt: In der Bahn, beim Einkaufen, bei der Arbeit. Als Frau mit Undercut und Schlüsselbund am Karabinerhaken (komplett ausgedachtes Beispiel 🤭) ist man eben oftmals ein bunter Hund im Stadtbild.</p>

<p>An dieser Logik entlang lässt sich auch eine Diskussion darüber führen, ob queere Menschen vielleicht eher willens sind, auch im Jahr 2023 noch eine Maske zu tragen. Denn wenn man ohnehin auffällt, kann man das ja auch mit Empathie machen. Aber diese Diskussion <a href="https://weirder.earth/@mokosh/111195027349836498">lässt sich sehr gut anderswo führen</a>.</p>

<p><em>Natürlich</em> ist es also auch so, dass ich als Mensch, der sich durchaus auch ein wenig durch das eigene Queersein definiert und der mit binären Geschlechtsvorstellungen ohnehin relativ wenig zu tun hat, am wenigsten Hemmungen davor habe, zu guter Musik auch mal zu tanzen. Denn die anderen Menschen im Raum haben ja viel zu viel Angst davor, von anderen für ihr schlechtes Getanze verurteilt zu werden. Oder es setzt sogar noch früher an: In einem Raum, in dem sonst niemand tanzt, würde man ja auf einmal auffallen, wenn man der Norm widersprechen würde. Das kann der gemeine Deutsche nicht haben. Denn wer auffällt, wer aus dem Rahmen fällt, wer anders ist, wer auch mal laut ist, wenn alle leise sind – der gehört nicht zu <em>uns</em>. Der muss mit dem Rasenmäher wieder ganz schnell auf Durchschnittslänge getrimmt werden, ehe sich hier noch ernsthafter Widerstand erhebt. Enthemmung ist keine Eigenschaft der deutschen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sich in den letzten 80 Jahren stellenweise erschreckend wenig verändert hat.</p>

<h2 id="elektronische-zwischenklänge" id="elektronische-zwischenklänge">Elektronische Zwischenklänge</h2>

<p>Nun muss man ja sagen, dass diese Enthemmung, der Wille zu tanzen und sich ausgelassen zu verhalten, trotzdem ein Bedürfnis bleibt. Einige leben das auch durchaus aus: Man muss nur einmal eine Nacht in einem Techno-Club verbracht haben um zu wissen, dass die dort befindlichen Druffis teils mit Schließung des Clubs von der Tanzfläche geschleift werden müssen und danach trotzdem die allererste Frage ist: Wo gehen wir jetzt hin zum Aftern?</p>

<p>Doch ist Techno eine Musikrichtung, die in der Breite der bürgerlichen Gesellschaft nur bedingt Anklang findet. Oftmals sind es die großen Städte wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin, die bekannt sind für ihre Techno-Szene. Eben die Städte in die diejenigen Leute fliehen, die sich in weniger urbanen Gegenden nicht wiederfinden. Raves im Wald soll es auch geben und auch kleineren Städten möchte ich ihre Techno-Szene nicht absprechen. Doch seien wir mal ehrlich: Auf dem Volksfest sind die einzigen elektronischen Klänge die Synthesizer, die für Schlager gebraucht werden. Und das Konzept, irgendwo auf einem Acker Musik für ein paar Tausend Leute zu spielen ist auch eher der Rockmusik vorbehalten.</p>

<p>Denn genau diese Festivals irgendwo auf einem Acker sind es, auf dem sich auch diejenigen, die 362 Tage im Jahr eher zurückhaltend sind, mal so richtig gehen lassen können. Wenn man donnerstags aus dem Auto steigt und sich in der prallen August-Sonne erstmal in einen Campingstuhl sacken lässt und sich den vom Alkoholiker-Kumpel angerührten “Mischdrink” aus ¾ Vodka und etwas Orangensaft reinknallt, dann ist man Samstag vielleicht auch mal bereit, ein bisschen zu pogen und bei Sabaton mitzugrölen, wenn die aus irgendeinem Grund schon wieder? immer noch? mit Plastikpanzer im Bühnenbild über den Zweiten Weltkrieg schwadronieren. Doch an einem normalen Samstagabend im Oktober – tja, da muss man sich dann doch etwas im Zaum halten. So viel kann man gar nicht trinken, dass man tanzen kann. Und das ist dann die beliebteste Subkultur im Lande. Kultur findet schließlich immer noch im Schlagerzelt statt.</p>

<h2 id="eine-spezi-reicht" id="eine-spezi-reicht">Eine Spezi reicht</h2>

<p>Dass der exzessive Konsum von Alkohol gar nicht nötig ist, um Spaß zu haben, muss man vielen gar nicht erzählen. Der Zug ist leider schon abgefahren. Ich auf jeden Fall habe heute Abend eine Spezi getrunken, eine richtig gute Zeit mit einigen geilen Black&#39;n&#39;Roll-Riffs gehabt, und nehme mir für das nächste Konzert vor, mindestens genauso enthusiastisch und wahrscheinlich auch schlecht zu tanzen. Vielleicht stecke ich ja die ein oder andere Person an und wer weiß, vielleicht fühlen die dann auch etwas von der Euphorie, die beim Tanzen aufkommt. Denn nur wer sich auch mal erlaubt, Spaß zu haben, der kann diese Freude und die dabei entstehenden positiven Emotionen letztendlich auch in die Welt hinaustragen. So steht es also: Tanzen ist politische Praxis!</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <guid>https://dxcibel.cyou/tanzverbot-im-spiesserstaat</guid>
      <pubDate>Sun, 22 Oct 2023 00:10:56 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title>Den Faden verloren</title>
      <link>https://dxcibel.cyou/den-faden-verloren</link>
      <description>&lt;![CDATA[Der Launch von Threads in der vergangenen Woche ist ein voller Erfolg für Meta gewesen. Ich finde das ziemlich deprimierend.&#xA;&#xA;Eine Nadel mit zwei durch sie gespannten Fäden vor einem schwarzen Hintergrund&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Photo by a href=&#34;https://unsplash.com/@amirvali?utmsource=unsplash&amp;utmmedium=referral&amp;utmcontent=creditCopyText&#34;amirali mirhashemian/a on a href=&#34;https://unsplash.com/photos/kiH-RBm08NQ?utmsource=unsplash&amp;utmmedium=referral&amp;utmcontent=creditCopyText&#34;Unsplash/a&#xA;  &#xA;&#xA;Juli 2010. Mein 13. Geburtstag. All meine Freunde (bewusst nicht gegendert) in der Schule spielen Doodle Jump auf ihrem iPod touch, ich komme nach Hause und meine Eltern fragen mich, was ich denn zum Geburtstag will. Uh, die Doodle Jump-Maschine, bitte. Wird bestellt, kommt an, und nach Doodle Jump treffe ich eine Entscheidung, die mich bis heute beeinflusst: Ich lade mir Twitter runter. Ich bin schließlich nie so richtig mit den Netzwerken warmgeworden, die mich nach meinem echten Namen fragten. Weil das bedeutet ja, dass mich dann die Leute finden, die meinen echten Namen kennen. Und die wissen, dass ich ein absoluter Loser bin. Twitter fragt mich nur nach meinem Nutzernamen. Nice.&#xA;&#xA;Tweet von mir aus dem Jahr 2010, &#34;Tatsächlich scheint der VfL Wolfsburg in einer Krise zu stecken Vielleicht schreibe ich ja einen Blog darüber&#34;&#xA;&#xA;Juli 2023. Ich habe die letzten 13 Jahre mal mehr, mal weniger aktiv Twitter genutzt. Die Hälfte meines Lebens. Doch mittlerweile ist Twitter eine Clickfarm voller Nazis und Hassrede. Nach der Übernahme durch Musk suchen eigentlich alle Menschen, die noch etwas auf sich halten, nach einem Ausweg. Denn so schlecht Twitter oft war, muss man doch zugeben: Es war schon ein bisschen wie Zuhause. Und gleichzeitig hat es den öffentlichen Diskurs auf eine Weise demokratisiert, wie es so schnell wahrscheinlich nicht wieder passieren wird. Denn gerade weil Twitter nicht so an die eigene Identität gebunden war wie andere Plattformen seiner Zeit erlaubte es einem, durch Brillanz zu bestechen anstatt – wie bisher – den Diskurs aufgrund des eigenen sozialen Kapitals leiten zu können.&#xA;&#xA;Dementsprechend ist auch meine liebste Verschwörungstheorie aktuell, dass Elon Musk Twitter mit dem Ziel gekauft hat, genau diesen demokratisierten Diskurs wieder zu zerstören. Die ganzen marginalisierten Randgruppen waren ihm zu unangenehm und ohne Twitter fehlt ihnen die primäre Vernetzungsmöglichkeit und das Medium, das ihnen bisher die größte Bühne versprechen konnte. Aber das ist hier Nebensache.&#xA;&#xA;Denn eigentlich will ich nur mal kurz beschreiben, wie es mir mit der ganzen Sache geht: Beschissen.&#xA;&#xA;Denn ich bin es leid, meine digitale Präsenz von irgendwelchen VC-befallenen Tech-Unternehmen abhängig zu machen. Ich will nicht mehr das Produkt einer Plattform sein, auf der ich nur existieren darf, weil ich derart mit Werbung bombardiert werde, dass ich zwischendurch kaum noch Posts sehe. Und vor allem will ich durch meine Inhalte nicht zur Wertsteigerung eines Mediums beitragen, das Moderation lediglich als ein notwendiges Übel ansieht, um Werbetreibende nicht zu verschrecken – und nicht als einen elementaren Bestandteil einer Community. Von den furchtbaren Arbeitsbedingungen der Moderatorinnen auf den gängigen Social Media-Plattformen ganz zu schweigen.&#xA;&#xA;Das Fediverse bietet all das, ist nicht profitgetrieben, komplett werbefrei, aufgrund seiner dezentralen Natur übernahmeresistent und die meisten Admins sind verdammt süße trans Frauen. Himmel auf Erden, eigentlich. Aber leider, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehrheitsfähig. Zu radikal anders gedacht als bisherige soziale Medien, ist bisher einer meiner liebsten Erklärungsansätze:&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://sauropods.win/@futurebird/110673972099528864/embed&#34; width=&#34;400&#34; height=&#34;510&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34; sandbox=&#34;allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-popups-to-escape-sandbox allow-forms&#34;/iframe&#xA;&#xA;Dazu kommt noch, dass Fediverse-Software dafür gedacht ist, dass Leute miteinander reden. Das ist alles andere als selbstverständlich: Twitter, Instagram, Tik Tok – und eben auch die neuen Twitter-Rivalen BlueSky und Threads – haben als ausgegebenes Ziel das Maximieren von Engagement und Screentime. Dass Leute auf den Plattformen miteinander reden ist ein unglückliches Beiwerk und gerade Tik Tok hat es gemeistert, das passive Konsumieren von Videos in einem hyperpersonalisierten Feed als eine soziale Erfahrung zu verkaufen.&#xA;&#xA;Mir geht es beschissen, ich bin es leid, doch am Ende spüre ich vor allem eins: Verzweiflung. Kein Erklärungsversuch ist genug, um die süchtigmachende Content-Maschinerie zu stoppen. Die Plattformen sind zu unintuitiv, das Konzept zu idealistisch und verschroben um zu funktionieren. Und am Ende laden sich dann 100 Millionen Userinnen in der ersten Woche Threads runter obwohl die App kein richtiges Web-Interface, keinen Following-Feed und keine Hashtags hat. Der Zeitgeist scheint zu verlangen, dass man seine Seele fragenlos an die selben Unternehmen verkauft, die einem seit Jahren die Aufmerksamkeitsspanne zerschießen und einem eine zuvor nicht für möglich haltbare Menge an Hass vorsetzen.&#xA;&#xA;---&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Anderswo im Fediverse als @dxciBel@fruef.social&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;img alt=&#34;Creative Commons License&#34; style=&#34;border-width:0&#34; src=&#34;https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png&#34; //abr /This work is licensed under a a rel=&#34;license&#34; href=&#34;http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/&#34;Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License/a.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4 id="der-launch-von-threads-in-der-vergangenen-woche-ist-ein-voller-erfolg-für-meta-gewesen-ich-finde-das-ziemlich-deprimierend" id="der-launch-von-threads-in-der-vergangenen-woche-ist-ein-voller-erfolg-für-meta-gewesen-ich-finde-das-ziemlich-deprimierend">Der Launch von Threads in der vergangenen Woche ist ein voller Erfolg für Meta gewesen. Ich finde das ziemlich deprimierend.</h4>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/amirali-mirhashemian-kiH-RBm08NQ-unsplash.jpg" alt="Eine Nadel mit zwei durch sie gespannten Fäden vor einem schwarzen Hintergrund" title="Eine Nadel mit zwei durch sie gespannten Fäden vor einem schwarzen Hintergrund"></p>



<p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@amir_v_ali?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">amirali mirhashemian</a> on <a href="https://unsplash.com/photos/kiH-RBm08NQ?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>

<p>Juli 2010. Mein 13. Geburtstag. All meine Freunde (bewusst nicht gegendert) in der Schule spielen Doodle Jump auf ihrem iPod touch, ich komme nach Hause und meine Eltern fragen mich, was ich denn zum Geburtstag will. Uh, die Doodle Jump-Maschine, bitte. Wird bestellt, kommt an, und nach Doodle Jump treffe ich eine Entscheidung, die mich bis heute beeinflusst: Ich lade mir Twitter runter. Ich bin schließlich nie so richtig mit den Netzwerken warmgeworden, die mich nach meinem echten Namen fragten. Weil das bedeutet ja, dass mich dann die Leute finden, die meinen echten Namen kennen. Und die wissen, dass ich ein absoluter Loser bin. Twitter fragt mich nur nach meinem Nutzernamen. Nice.</p>

<p><img src="https://dxcibel.eu-central-1.linodeobjects.com/archivweirdness.png" alt="Tweet von mir aus dem Jahr 2010, &#34;Tatsächlich scheint der VfL Wolfsburg in einer Krise zu stecken Vielleicht schreibe ich ja einen Blog darüber&#34;"></p>

<p>Juli 2023. Ich habe die letzten 13 Jahre mal mehr, mal weniger aktiv Twitter genutzt. Die Hälfte meines Lebens. Doch mittlerweile ist Twitter eine Clickfarm voller Nazis und Hassrede. Nach der Übernahme durch Musk suchen eigentlich alle Menschen, die noch etwas auf sich halten, nach einem Ausweg. Denn so schlecht Twitter oft war, muss man doch zugeben: Es war schon ein bisschen wie Zuhause. Und gleichzeitig hat es den öffentlichen Diskurs auf eine Weise demokratisiert, wie es so schnell wahrscheinlich nicht wieder passieren wird. Denn gerade weil Twitter nicht so an die eigene Identität gebunden war wie andere Plattformen seiner Zeit erlaubte es einem, durch Brillanz zu bestechen anstatt – wie bisher – den Diskurs aufgrund des eigenen sozialen Kapitals leiten zu können.</p>

<p>Dementsprechend ist auch meine liebste Verschwörungstheorie aktuell, dass Elon Musk Twitter mit dem Ziel gekauft hat, genau diesen demokratisierten Diskurs wieder zu zerstören. Die ganzen marginalisierten Randgruppen waren ihm zu unangenehm und ohne Twitter fehlt ihnen die primäre Vernetzungsmöglichkeit und das Medium, das ihnen bisher die größte Bühne versprechen konnte. Aber das ist hier Nebensache.</p>

<p>Denn eigentlich will ich nur mal kurz beschreiben, wie es mir mit der ganzen Sache geht: Beschissen.</p>

<p>Denn ich bin es leid, meine digitale Präsenz von irgendwelchen VC-befallenen Tech-Unternehmen abhängig zu machen. Ich will nicht mehr das Produkt einer Plattform sein, auf der ich nur existieren darf, weil ich derart mit Werbung bombardiert werde, dass ich zwischendurch kaum noch Posts sehe. Und vor allem will ich durch meine Inhalte nicht zur Wertsteigerung eines Mediums beitragen, das Moderation lediglich als ein notwendiges Übel ansieht, um Werbetreibende nicht zu verschrecken – und nicht als einen elementaren Bestandteil einer Community. Von den furchtbaren Arbeitsbedingungen der Moderator*innen auf den gängigen Social Media-Plattformen ganz zu schweigen.</p>

<p>Das Fediverse bietet all das, ist nicht profitgetrieben, komplett werbefrei, aufgrund seiner dezentralen Natur übernahmeresistent und die meisten Admins sind verdammt süße trans Frauen. Himmel auf Erden, eigentlich. Aber leider, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehrheitsfähig. Zu radikal anders gedacht als bisherige soziale Medien, ist bisher einer meiner liebsten Erklärungsansätze:</p>

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<p>Dazu kommt noch, dass Fediverse-Software dafür gedacht ist, dass Leute miteinander reden. Das ist alles andere als selbstverständlich: Twitter, Instagram, Tik Tok – und eben auch die neuen Twitter-Rivalen BlueSky und Threads – haben als ausgegebenes Ziel das Maximieren von Engagement und Screentime. Dass Leute auf den Plattformen miteinander reden ist ein <a href="https://catvalente.substack.com/p/stop-talking-to-each-other-and-start">unglückliches Beiwerk</a> und gerade Tik Tok hat es gemeistert, das passive Konsumieren von Videos in einem hyperpersonalisierten Feed als eine soziale Erfahrung zu verkaufen.</p>

<p>Mir geht es beschissen, ich bin es leid, doch am Ende spüre ich vor allem eins: Verzweiflung. Kein Erklärungsversuch ist genug, um die süchtigmachende Content-Maschinerie zu stoppen. Die Plattformen sind zu unintuitiv, das Konzept zu idealistisch und verschroben um zu funktionieren. Und am Ende laden sich dann <a href="https://www.theverge.com/2023/7/10/23787453/meta-instagram-threads-100-million-users-milestone">100 Millionen User*innen in der ersten Woche Threads runter</a> obwohl die App kein richtiges Web-Interface, keinen Following-Feed und keine Hashtags hat. Der Zeitgeist scheint zu verlangen, dass man seine Seele fragenlos an die selben Unternehmen verkauft, die einem seit Jahren die Aufmerksamkeitsspanne zerschießen und einem eine zuvor nicht für möglich haltbare Menge an Hass vorsetzen.</p>

<hr>

<p>Anderswo im Fediverse als <a href="https://dxcibel.cyou/@/dxciBel@fruef.social" class="u-url mention">@<span>dxciBel@fruef.social</span></a></p>

<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/"><img alt="Creative Commons License" style="border-width:0" src="https://i.creativecommons.org/l/by-nc/4.0/88x31.png"/></a><br/>This work is licensed under a <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/">Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License</a>.</p>
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      <pubDate>Thu, 13 Jul 2023 21:44:47 +0000</pubDate>
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